Belichtet

Die Belichtung: Ein Zusammenspiel von Blende und Verschluss.
Stichworte: Belichtung, Blende, Verschluss

Blende und Verschluss (Verschlusszeit) sind die beiden integralen Bestandteile der Belichtung.

Im übertragenden Sinne: Die Wasserleitung und der Eimer

Gerne werden eine Wasserleitung und ein Eimer bemüht, um grundsätzlich das Prinzip zu erklären. Wir machen da keine Ausnahme, weil das Beispiel den Sachverhalt an sich gut verdeutlicht.
Also, nehmen wir an, der Rohrdurchmesser sei die Blende und das Ventil in der Leitung der Verschluss. Auf einer Seite haben wie einen großen Rohrdurchmesser, auf der anderen einen kleinen (= kleine Blendenöffnung). Unter beiden Rohren steht ein Eimer. Die Eimer sollen in beiden Fällen gleich voll werden.
Ist der Rohrdurchmesser groß (= große Blendenöffnung), muss das Ventil nur kurz geöffnet werden (= kurze Verschlusszeit), weil viel Wasser in kurzer Zeit ausfließt. Bei einem geringen Durchmesser (= kleine Blendenöffnung) muss das Ventil länger offen sein (= lange Verschlusszeit), um dieselbe Menge Wasser in den Eimer fließen zu lassen. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich — beide Eimer sind gleich voll.

Etwas aber verschweigt uns dieser Vergleich (und deshalb hinkt er hier, will man ihn auf Fotos anwenden): Zwei gleich volle Eimer sind zwei gleich volle Eimer. Werden sie ausgetauscht, so kann nicht gesagt werden, welcher Eimer auf welche Weise befüllt wurde.
Beim Foto sieht das etwas anders aus: Zwar sind zwei Bilder, die mit großer Blendenöffnung und kürzerer Verschlusszeit bzw. mit kleiner Blendenöffnung und längerer Verschlusszeit belichtet wurden, richtig belichtet, aber in ihrer Aussage unterschiedlich. Mit ein bisschen Erfahrung lässt sich in etwa sagen, mit welcher Verschlusszeit-Blenden-Kombination das Bild entstanden sein könnte.

Um ein Foto optimal zu belichten, benötigt der Sensor (Film) eine bestimmte Lichtmenge. Diese setzt sich aus den folgenden Faktoren zusammen: die Länge der Zeit, die der Sensor dem Licht ausgesetzt ist sowie die Menge des Lichtes, die durch das Objektiv auftrifft. Verschiedene Kombinationen von Blendenöffnung und Verschlusszeit führen also dazu, dass die gleiche Menge Lichts auf den Film bzw. Sensor fällt.
Wird vom Belichtungsmesser ein bestimmter Lichtwert (Zusammenspiel von Blende & Verschluss) ermittelt, ist es also möglich, durch Veränderung der Kombinationen (natürlich innerhalb der Grenzen, welche die Beleuchtungsverhältnisse vorgeben) eine gleiche Belichtung, aber unterschiedliche Fotos zu erreichen.

Ein Beispiel: Ermittelt wird folgender Lichtwert: Blende 4, Belichtungszeit 1/60 sek.
Ebenso werden die Kombinationen Blende 5.6, Belichtungszeit 1/30 sek. sowie Blende 8 bei 1/25 sek. zu einer richtigen Belichtung führen. (Die Kombinationen wären beliebig fortzusetzen, bis eine Kombination bei den vorherrschenden Lichtverhältnissen nicht mehr funktioniert bzw. die Kombination nicht mehr vom Fotografen und seiner Kamera umzusetzen ist.)

Jede Veränderung der Verschlusszeit erfordert eine gleichwertige, aber entgegengesetzte Änderung der Blendenöffnung, wenn die Belichtung gleich bleiben soll. Die Situation und der gewünschte Effekt bestimmen die Kombination von Blende und Verschluss.
Beide Werte verhalten sich gegenläufig. Steht viel Licht zur Verfügung genügt eine kurze Belichtungszeit und umgekehrt wird bei wenig Licht eine entsprechend längere Zeit der Belichtung benötigt.

Warum aber sind gleich richtig belichtete Bilder mit verschiedenen Blende-Zeit-Kombinationen unterschiedlich? Dafür betrachten wir jetzt die Funktion beider Anteile.

Die Blende (Blendenöffnung, Arbeitsblende)

Das einfallende Licht wird durch die Blende dosiert, sie regelt also die wirksame Lichtmenge, die auf den Film bzw. Sensor während einer bestimmten Zeit fällt.
Die Lichteintrittsöffnung wird durch überlappende Lamellen stufenlos verändert und funktioniert dabei wie die Pupille des menschlichen Auges: Bei Dunkelheit öffnet sich die Pupille weiter, bei Helligkeit schließt sie sich enger.
Dabei darf man sich nicht von den Blendenzahlen aufs Glatteis führen lassen: Eine kleine Blendenzahl (z.B. 1.4) entspricht einer großen Blendenöffnung, eine große Blendenzahl (z.B. 22) einer kleinen.

Die Blende hat zudem großen Einfluss auf die Schärfentiefe. Was das ist und wie die Blende das schafft, wird später erläutert.

Der Verschluss (Verschlusszeit, Belichtungszeit)

Der Verschluss begrenzt das einfallende Licht zeitlich, regelt also die Dauer des Lichteinfalls.
Während der Dauer, über die der Verschluss offen ist, fällt Licht auf den Sensor oder Film. Zunächst einmal stellt die Verschlusszeit sicher, dass eine ausreichende Lichtmenge auf den Film/Sensor fällt. Bestimmte Vorhaben aber sind nur mit bestimmten Verschlusszeiten möglich.

Kürzere Verschlusszeiten führen zu schärferen Bildern, aber dafür sind in Kombination große Blenden unumgänglich. Bei einer Verkürzung der Verschlusszeit um 1 Stufe halbiert sich die Lichtmenge (und umgekehrt). Jede Änderung der Blende um 1 Stufe nach unten (z.B. von Blende 8 auf 5.6) führt zu einer Verdopplung der Lichtmenge (und umgekehrt).

Welchen Einfluss kann man denn nun über die Verschlusszeit auf das Ergebnis, das fertige Bild also, nehmen?

Je schneller sich ein Objekt bewegt, umso kürzer muss die Verschlusszeit sein, wenn das Objekt scharf abgebildet werden soll. Irgendwie klar. Für einen Fußgänger reicht 1/60 Sek., für einen fahrenden Zug braucht man hingegen schon 1/1000 Sek. Die Bewegung eines Motivs kann durch die Einstellung einer Verschlusszeit, die für eine gestoppte Bewegung eigentlich zu lang ist, zum Ausdruck gebracht werden. Dann ist das Motiv aber verwischt.
Dagegen hilft die Technik des Mitziehens: Das Objekt wird scharf, der Hintergrund verwischt. Dafür wählt man eine Verschlusszeit, die der Geschwindigkeit des Objektes (z.B. des Autos) entspricht. Dann richtet man die Kamera auf das Motiv und zieht sie mit. Das funktioniert natürlich am besten bei gleichförmigen Bewegungen. So entsteht ein Bild, das die Geschwindigkeit gut wiedergibt.
Fotografiert man z.B. ein schnelles Auto mit einer sehr kurzen Verschlusszeit, ohne mitzuziehen, kann man auf dem Foto nicht mehr erkennen, ob das Auto stand oder fuhr. Da fehlt dann irgendwie die Dynamik.

Fahrendes Fahrzeug mit kurzer Verschlusszeit fotografiert. Das Bild wirkt statisch, die Dynamik fehlt.

Fahrendes Fahrzeug mit kurzer Verschlusszeit fotografiert. Das Bild wirkt statisch, die Dynamik fehlt.

Fahrendes Fahrzeug, mit längerer Verschlusszeit ohne Mitziehen fotografiert. Der Hintergrund ist scharf, das Fahrzeug unscharf. Die Bewegung wird zwar klar, aber man erkennt nicht mehr viel vom Auto.

Fahrendes Fahrzeug, mit längerer Verschlusszeit ohne Mitziehen fotografiert. Der Hintergrund ist scharf, das Fahrzeug unscharf. Die Bewegung wird zwar klar, aber man erkennt nicht mehr viel vom Auto.

Fahrendes Fahrzeug, mit längerer Verschlusszeit und mitgezogener Kamera aufgenommen. Das Fahrzeug ist scharf, der Hintergrund unscharf. Die Dynamik kommt so zum Ausdruck; zusätzlich radiale Unschärfe der Reifen durch schnelle Drehbewegung.

Fahrendes Fahrzeug, mit längerer Verschlusszeit und mitgezogener Kamera aufgenommen. Das Fahrzeug ist scharf, der Hintergrund unscharf. Die Dynamik kommt so zum Ausdruck; zusätzlich radiale Unschärfe der Reifen durch schnelle Drehbewegung.

Und was macht die Blende?

Jedes Objektiv bildet streng genommen nur eine einzige Ebene scharf ab. Die Blendenöffnung entscheidet nun darüber, wie viel davor und dahinter noch scharf abgebildet wird. Womit wir nun bei der Schärfentiefe wären.
Die Schärfentiefe hat als eines der entscheidenden Kriterien in der Fotografie einen eigenen Eintrag; an dieser Stelle schon einmal so viel: Soll ein Detail betont und der Rest ausgeblendet werden, wird eine große Blende (also kleine Blendenzahl) gewählt. Sollen mehrer Objekte scharf aufs Bild, die in verschiedenem Abstand zur Kamera stehen, ist eine kleine Blende (also große Blendenzahl) nötig.

Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe

Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe

Für die, die es genauer wissen wollen: Wie kommen die merkwürdigen Blendenzahlen zustande?

Die Blendenzahl gibt an, wie oft der Durchmesser des Objektivs bzw. der Öffnung der Irisblende in der Objektivbrennweite enthalten ist. Blende 2 bedeutet demnach: Der Öffnungsdurchmesser des Objektivs ist 2 mal in seiner Brennweite enthalten. Oder anders ausgedrückt: Die Brennweite ist doppelt so groß.

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