Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da…

…sondern auch zum Fotografieren.
Stichworte: Nachtfotografie, night shots, Langzeitbelichtung (Bulb)

Das fehlende Licht wird durch eine lange Verschlusszeit kompensiert. Versteht sich von selbst, dass solche Bilder ohne Stativ nichts werden können. Unglücklicherweise verursacht selbst bei der Verwendung eines Stativs Starkwind ein verwackeltes Bild. Windstille Nächte eignen sich also besser als solche, in denen Herbststürme wüten.

Wegen der großen Gefahr von Bildrauschen sollte unbedingt eine niedrige ISO-Zahl eingestellt werden, dazu eine mittlere Blende (wie f11). Zum Auslösen empfiehlt sich ein Fernauslöser oder die Selbstauslöse-Funktion der Kamera.
Ohne Stativ wird es schwierig, allerdings kann man mit einer hohen ISO-Zahl arbeiten; ideal ist ein Bildstabilisator. Sollte Bildrauschen auftreten, so kann dies nachträglich entfernt werden, wenn es nicht zu umfangreich ist. Eine kleine Fleißarbeit, die sich aber durchaus lohnt.

light tracks by kunstgriff

light tracks by kunstgriff


Dieses Bild der nächtlichen Autobahn 1 ist Teil einer spontan entstandenen Reihe. Auf dem Rückweg von der Uni hatte ich Lust, mit Langzeitbelichtungen zu experimentieren. Ein Stativ hatte ich nicht am Start, wohl aber ein formidables Brückengeländer, dessen Höhe und Winkel optimal waren. Für die Aufnahmen fixierte ich die Kamera mit der Hand, stellte Blende 22 für eine größtmögliche Tiefenschärfe ein und löste mit verzögertem Selbstauslöser aus, damit sich die Erschütterung des Drucks auf den Auslöser nicht auf die Aufnahme übertragen konnte. Die Ergebnisse waren von der Perspektive her wirklich gut, aber recht stark verrauscht. Alle störenden Fremdpixel wurden anschließend manuell in Photoshop mittels Reparaturwerkzeug entfernt — wahrlich keine Aufgabe für die kurze Pause zwischendurch.
Im Hintergrund, relativ hell erleuchtet, ist der Terminal für den kombinierten Ladungsverkehr in Billwerder zu erkennen, welcher von der A1 unterquert wird.

Digitalkameras neigen leider bei Nachtaufnahmen zum Rauschen. Der Chip ist schuld: In ihm fließen kleine elektrische Ladungen, die das Bildrauschen und sog. Fremdpixel hervorrufen.

An Kameras mit manuellen Einstellmöglichkeiten kann man bei der Aufnahme wählen, ob man mehr Rauschen oder eine gewisse Unschärfe in Kauf nehmen möchte. Teilt man dem Sensorchip mit, dass er das Rauschen herausrechnen soll, so leidet die Schärfe. Unterlässt man das, so wird das Bild zwar schärfer, aber es rauscht. (Getreu dem Motto: Wie man’s macht, ist es verkehrt!)
Wie oben bereits erwähnt, tritt die Problematik des Rauschens auch bei einer Erhöhung der ISO-Zahl auf; zwar muss das Bild dann weniger lang belichtet werden, aber die Grobkörnigkeit nimmt zu. (Das allerdings gilt auch, wenn man eine analoge Kamera und einen hochempfindlichen Film verwendet.)

Die Eier legende Wollmilchsau hat man hier noch nicht entdeckt, und Nachtaufnahmen sind in der einen oder der anderen Richtung ein Kompromiss.

Ein weiteres Problem bei Nachtaufnahmen ist das Fehlen eines neutralen Grautons, um den herum (in Abhängigkeit des gewählten ISO-Wertes) eine Blenden-Zeit-Kombination gewählt wird, die alle Farben richtig darstellt. Die Kamera belichtet also einfach länger, um den Neutral-Grau-Wert darstellen zu können. Das führt zu einer Aufhellung der dunklen Bereiche, leider aber auch zu einer Überbelichtung, welche die besondere Stimmung zerstören kann.
Eine manuelle Korrektur der Verschlusszeit, eine direkte Spotmessung auf das Motiv oder aber eine Belichtungsreihe (Bracketing) kann da Abhilfe schaffen.
Nachts führt man die Belichtungsreihe in halben Blendenstufen über mindestens 2 Blenden nach oben und unten durch.

Damit kann auch einem weiteren Nachteil von Digitalkameras entgegengewirkt werden: Der Belichtungsspielraum ist kleiner als der von analogen Apparaten. Dadurch sehen helle Bereiche oft ausgefranst, ausgefressen aus, während dunklere Bereiche schnell ins Schwarze abdriften; die genaue Zeichnung von Zwischentönen fehlt oft. Bei besonders ausgeprägten Kontrasten zwischen hellen und dunklen Partien aber hilft auch eine Belichtungsreihe nicht mehr: Bei einem zu großen Kontrastumfang ist es daher besser, die wichtigsten Teile des Bildes korrekt zu belichten.

In der Nacht trifft man dann und wann auch auf Leuchtquellen. Früher, im Filmzeitalter, gab es einen Tageslicht- und einen Kunstlichtfilm, den man entsprechend einsetzen konnte. Heute, im digitalen Zeitalter, sieht die Sache ein wenig komplizierter aus. Verschiedene Leuchtquellen haben unterschiedliche Farbtemperaturen, die man über den Weißabgleich einstellen kann. Nun hat aber eine Neonröhre eine andere Farbtemperatur als eine herkömmliche Glühbirne. Daher ist die Farbtemeratur entsprechend zu setzen. Sind im Bild Leuchtquellen mit unterschiedlichen Temperaturen, dann wählt man die Temperatur derjenigen, die Akzente setzen soll.

Viele Kameras haben voreingestellte Kelvin-Werte für verschiedene Leuchtquellen. Daraus kann gewählt werden, aber es ist auch ein manueller Weißabgleich möglich.

Abschließend noch ein Wort zur Fokussierung: Bei Nacht tut sich der Autofokus der Kameras sehr schwer. Hier ist die manuelle Fokussierung vorzuziehen.

Und nun: Ab in die Dunkelheit!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s