Die Tiefe ist scharf… oder ist die Schärfe tief? — Von selektiver Schärfe und Unschärfe

Schärfentiefe

Stichworte: Schärfentiefe, depth of the field

In diesem Beitrag geht es um selektive Schärfe und darum, welchen Einfluss die Blende und das Objektiv auf die Tiefenschärfe haben.

Die Schärfentiefe, also der Bereich, der über die scharf gestellte Ebene (meist das Hauptmotiv) hinaus scharf abgebildet wird, ist von mehreren Faktoren abhängig. Neben der Blende sind das einerseits das Objektiv, andererseits der Aufnahmeabstand.
Zuweilen wird die Schärfentiefe auch (nicht ganz korrekt) als Tiefenschärfe bezeichnet. Egal: Sie ist eines der zentralen fotografischen Mittel.

Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe

Die Schärfentiefe hängt ganz entscheidend mit der Blendenöffnung zusammen. Jedes Objektiv bildet streng genommen nur eine einzige Ebene scharf ab. Die Blendenöffnung entscheidet, wie viel davor und dahinter noch scharf abgebildet wird — das ist die Schärfentiefe.

Dabei gilt:
Je kleiner die Blendenöffnung, umso größer ist der scharf erfasste Bereich. (Personen oder Gegenstände in verschiedenem Abstand zur Kamera werden scharf abgebildet).
Je größer die Blendenöffnung, umso kleiner ist dieser Bereich. (Das Motiv wird aus der Umgebung herausgelöst. Während es scharf ist, wird die Umgebung unscharf).

Noch einmal zur Erinnerung: Kleine Blendenöffnung = große Blendenzahl (z.B. 16), große Blendenöffnung = kleine Blendenzahl (z.B. 2.8).

Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe

Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe

Der größere Schärfentiefebereich bei kleiner Blendenöffnung verlangt aber nach längeren Belichtungszeiten. Weil die Blende aber auch die Menge einfallenden Lichts regelt, kann nicht immer beliebig abgeblendet werden. So ist es bei bestimmten Lichtverhältnissen nicht möglich, bis auf Blende 22 abzublenden und eine dazu passende Verschlusszeit zu finden, die ein optisch einwandfreies Bild liefert. (Vgl. Belichtung.)

Einfluss der Objektivbrennweite auf die Schärfentiefe

Ein Weitwinkelobjektiv liefert vom gleichen Standpunkt und bei gleicher Blende eine größere Schärfentiefe als ein Normalobjektiv.

Bei Teleobjektiven verstärkt sich dieser Effekt in umgekehrter Richtung: Die Tiefenschärfe bei Teleobjektiven nimmt deutlich ab und erreicht in keiner Einstellung die der Weitwinkelobjektive. (Die Tiefenschärfe eines Weitwinkels übertrifft selbst bei großer Blende die eines Teles.) Je länger die Brennweite, desto geringer fällt die Schärfentiefe aus im Vergleich zu Normal- o. Weitwinkelobjektiven.
Der Hintergrund tritt bei Teleobjektiven unscharf in den Hintergrund, während das Hauptmotiv im Vordergrund scharf und isoliert (freigestellt) hervortritt. Deshalb sind kurze Teleobjektive (Brennweite 90-130 mm) ideale Portrait-Objektive. Genau diese Freistellung wird bei Aufnahmen von Portraits angestrebt.

Einfluss des Aufnahmeabstandes auf die Schärfentiefe

Bei größerem Abstand zum Aufnahmeobjekt nimmt die Schärfentiefe zu. Je näher man aber an das Motiv herangeht, umso geringer fällt der scharf abgebildete Bereich aus. Besonders deutlich wird das bei Makro-Aufnahmen wie der Blüte oben.

Allgemein gilt für die Verteilung: Vordergrund : Hintergrund = 2 : 1. Also ist mehr im Hintergrund scharf abgebildet als im Vordergrund, oder anders gesagt: Die Schärfentiefe ist hinter der scharfgestellten Ebene größer als vor dieser. Ausnahme: Bei Makros ist der unscharfe Bereich vor und hinter der scharf fokussierten Ebene etwa gleich.

[Update] Anmerkung von timmermann.tv: „Schärfentiefe oder Tiefenschärfe? Grundlegend gilt es, erst einmal die korrekte Bezeichnung zu bestimmen. Man trifft in aller Regel auf zwei Begriffe, die das gleiche bezeichnen sollen, aber nur einer von ihnen ist korrekt. …“

Bezugnehmend auf den Trackback von Timmermann.tv möchte ich den Sachverhalt nicht im Dunklen belassen.
Tiefenschärfe bzw. Tiefenunschärfe ist bei Unschärfeverläufen (bei Verwacklern oder Bewegungen etwa) anzusiedeln. Entsprechende Fotos sehen verwischt aus. Die Technik kann als Stilmittel angesehen werden, aber natürlich können solche Bilder auch unabsichtlich entstehen.
Der faktisch korrekte Begriff für den Raum, der die Bildebene scharf abbildet, ist Schärfentiefe. Um diesbezügliche Verwirrungen ad acta zu legen, wurde der Begriff “Tiefenschärfe” aus den Schlagworten entfernt. Im Artikel selbst aber musste nichts geändert werden, da hier durchgängig der korrekte Begriff verwendet wird.
Trotzdem Danke für diesen Hinweis!

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