Vom Wesen der Landschaftsfotografie (Teil 1)

Landschafts-Fotografie: Teil 1

Stichworte: Planung, Aufnahmeposition, Führungslinien, Farbkomposition, monochrom

Landschaftsfotografie ist leider nur scheinbar einfach — und doch ist sie einfacher als manch andere Bereiche der Fotografie. Zumindest was den technischen Aufwand angeht. Jeder kann mit ein paar Kniffen wunderbare Landschaftsaufnahmen machen, selbst mit einer Kompaktkamera. Für anspruchsvollere Bildideen darf es dann aber schon eine Bridge- oder Spiegelreflex- (SLR-) Kamera sein.

Eine der großen Herausforderungen in der Landschaftsfotografie ist der Spagat zwischen bekannten Elementen und neuen Sichtweisen. Dies gilt gerade auch in der Reisefotografie. Oft schwankend zwischen Ansichtskarten und Symbolik, gilt es, einen eigenen Stil, einen eigenen Weg zu finden. Aber man sollte immer auf den Auslöser drücken, wenn man von der Szenerie ergriffen ist, auch wenn man das Gefühl hat, dieses Bild habe man schon etliche Male gesehen. Einerseits kommt es darauf an, was einem selbst gefällt, andererseits ergibt sich die Originalität des Augenblicks oft erst auf den zweiten Blick. Lieber ein Bild zu viel, als das entscheidende zu wenig!

Planung

Kann man machen. Ist vor allem dann sehr hilfreich, wenn man im Urlaubs- oder Heimatrevier auf Fotojagd geht, also immer dann, wenn man wiederkommen kann, nachdem man etwas geplant hat. (Unterwegs, auf der Durchreise, ist man eigentlich immer auf die Situation angewiesen.)

morning mist by kunstgriff

morning mist by kunstgriff

Dieses Bild mal als ganz konkretes Beispiel: Die B5 ist die Einflugschneise zu meiner Schule, an der ich als Dozent tätig bin. Genau diese Ecke ist für ein Nebelbild ideal: Schöner alter Baumbestand, der Straßenverlauf sanft geschwungen. Aber immer dann, wenn so eine Stimmung da war, hatte ich die Kamera nicht dabei. Am Morgen der Aufnahme aber nahm ich die Kamera extra mit, nachdem ich beim morgendlichen Kaffee auf dem Balkon die Wetterbedingungen inspiziert hatte, weil ich wusste, dass zu dieser Jahreszeit (Mitte September) die Sonne im richtigen Winkel stehen würde um genau die Uhrzeit, an der ich üblicherweise die Stelle passiere.

Ein Gefühl für die Umgebung entwickeln, Ideen sammeln und sich Kompositionen im Kopf zurechtlegen, all das umfasst Planung, aber auch Gedanken über den Bildausschnitt, das Format, den Standort des Stativs oder das Ausschließen störender Elemente.
Im digitalen Zeitalter kann man mit Schnappschüssen aasen, daher kann eine Planung auch Bildideen bei weniger geeigneten Licht- und Wetterbedingungen einschließen. Ich habe selbst schon oft erlebt, dass en passant ein Moment derart willenlos schön ist, dass man quasi zum Anhalten gezwungen wird. Aber selbst solche spontanen Bilder bedürfen zumindest einer Minimalplanung. Es lohnt sich immer, nach den ersten Schüssen noch die Umgebung zu erkunden, ob sich nicht noch ein besserer Blickwinkel finden lässt.
Ideal ist natürlich, wenn man sich einen Plan zurechtgelegt hat, den man in Ruhe, ohne Zeitdruck, zum absolut geeigneten Zeitpunkt in die Tat umsetzen kann.

Komposition

Von der Komposition, von der eigenen Vorstellungskraft des Fotografen, wird die Bildaussage bestimmt. Diese hängt vom Blickwinkel, dem Standpunkt während der Aufnahme, der Einbeziehung von Objekten in der Umgebung und von der Brennweite ab. Also doch einiges, das es zu bedenken gilt.
Wichtig ist, bei der Bildaufteilung die vorhandene Geometrie nicht zu zerstören. Felder, Baumgruppen, Gebirge — all das, was wir sehen, komponiert bereits vor. Nun ist es am Fotografen, das nicht zu kaputt zu machen. Wichtige Strukturen in der Landschaft wie Bäume oder Berge sollten nicht ohne Grund zerschnitten werden; halbe Strukturen lenken nur ab. Anders sieht das bei Ausschnitten aus, die aber wohl überlegt sein wollen. Wichtig ist dabei: Solange sich die angeschnittene Struktur vor dem Auge des Betrachters nicht vervollständigen lässt, sollte lieber nicht angeschnitten werden.

Der Bildmittelpunkt sollte das Hauptaugenmerk auf sich ziehen, muss aber nicht zwangsläufig in der Bildmitte liegen. Im Gegenteil: Durch den Goldenen Schnitt werden bildwichtige Teile aus dem Zentrum gerückt.
Generell gilt: Man sollte viel experimentieren! Formatwechsel, verschiedene Kamerastandorte, hinlegen usw. können ungewöhnliche Blickwinkel nach sich ziehen. (Das schönste Kompliment für einen Fotografen ist: „So habe ich das noch nie gesehen!“)

Führungslinien als Mittel der Komposition

Aufgrund der großen Schärfentiefe und der zahlreichen erfassten Details ist das Hauptmotiv bei Landschaftsfotos oft nicht genau auszumachen. Führungslinien aber können genau das: Zäune, Wege, Wasserläufe, Straßen oder Baumreihen, aber auch lange Schatten bei Gegenlichtaufnahmen, führen den Blick des Betrachters ins Bild und zu den wichtigen Stellen.

Castilla y León, España by kunstgriff

Castilla y León, España by kunstgriff

Farbkomposition

Neben der Bildaufteilung rückt die Farbkomposition in den Mittelpunkt. Zu bunt sollte es nicht zugehen! Es heißt ja schließlich „Farbbild“ und nicht „Buntbild“.

breaking through von kunstgriff

breaking through von kunstgriff

Oft jedoch ist ein Monochrom-Effekt besser geeignet, um die gewünschte Stimmung zu transportieren. Reduce to the max! Das sog. Schwarzweiß-Bild, also ein Bild mit etlichen Graustufen und den maximalen Kontrasten Schwarz und Weiß, kann dabei helfen, den Blick auf das Wesentliche zu lenken, Strukturen und Grundmuster zu betonen. Dabei ist stets auf einen guten Kontrast zu achten; schon bei der Aufnahme kann dem durch eine leichte Tendenz in den unterbelichteten Bereich Rechnung getragen werden, um so den Kontrast etwas zu erhöhen.
Filter in der S/W-Landschaftsfotografie: Landschaften mit viel Himmel und Wolken können einen Gelbfilter vertragen, der die Wolken plastisch hervorhebt. Ein Orangefilter verstärkt diesen Effekt nochmals und hebt den Kontrast deutlich an. Ein Rotfilter treibt das auf die Spitze, die Wolken heben sich fast in einem Weiß von einem sehr dunklen Himmel ab. Dieser Effekt kann gewitterartige, bedrohliche Züge annehmen. Generell gilt aber, dass bei trübem Wetter der Filtereinsatz ohne jeden Nutzen ist; nur bei einem blauen Himmel kann sich deren Wirkung auf das Verhalten von Komplementärfarben entfalten.
Der Vorteil der Digitalfotgrafie liegt auch in der nachträglichen, einfachen Umwandlung von Farb- in Schwarzweiß-Bilder, bei der Software-seits auch der Kontrast entsprechend angepasst werden kann.

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