Vom Wesen der Landschaftsfotografie (Teil 2)

Landschafts-Fotografie 2:

Stichworte: Perspektive, Standpunkt, Brennweite, Bedeutung der Blende & der Verschlusszeit

In Teil 2 des Wesens der Landschaftsfotografie werden der Aufnahmestandpunkt, die Perspektive und die Bedeutung der Brennweite des Objektivs sowie der Blende und der Verschlusszeit beleuchtet.

Standpunkt bei Landschaftsaufnahmen

Wir stehen da, sind von einer Szene schwer beeindruckt, drücken ab — und daheim kommt die Ernüchterung, wir sind enttäuscht: Da stört etwas auf dem Bild. Alles, was nicht bewusst ausgeklammert wurde, erscheint später auf dem Bild, also auch das, was wir beim Betrachten unterdrückt haben. Unser Auge ist subjektiv und filtert eine Umgebung. Etwas erscheint uns reizvoll, zieht uns in den Bann, aber das, was wir nicht beachtet haben, ist trotzdem auf dem Bild. Nicht umsonst trägt ein Objektiv seinen Namen: Die Linse ist objektiv, lässt sich nicht von unseren emotional geprägten und damit eingeschränkten Wahrnehmungen täuschen, sondern lichtet gnadenlos das ab, was wir ihr präsentieren. Auch den kleinen Müllberg, den wir in unserer Begeisterung ausgeklammert haben. Oder das moderne Hinweisschild vorm alten Schuppen im Hinterhof.
Oft reichen aber einige Schritte zur Seite, um ein störendes Element hinter irgendetwas verschwinden zu lassen. Oder man erhöht sich, klettert auf einen Baum, Hochsitz o.ä.; wahlweise kann man dieselbe Szene auch mal aus der Hocke aufnehmen. Ein Perspektivwechsel vollbringt oft wahre Wunder!

Die Weite ist weit (ach!) — Aber wie bringe ich das aufs Bild?

Die oft mittels eines Weitwinkelobjektivs erfasste Weite einer Landschaftsaufnahme bringt es mit sich, dass ein Perspektivwechsel nicht allzu viel bewirkt. Aber eine Platzierug des Horizonts oder der Wasserkante gemäß des Goldenen Schnittes bringt immerhin ein spannungsreiches, harmonisches Ergebnis. Je nach Aussage verschiebt man solche Linien in das obere oder untere Bilddrittel, aber i.d.R. nicht in die Mitte. Das ergibt nur bei Motiven mit Spiegelung in Wasserflächen Sinn.

Ein Blickfang (das kann alles mögliche sein, das den Maßstab der Landschaft verdeutlicht, also ein Haus, ein Auto, Menschen, Bäume oder ein Boot) muss her. Oder eben Führungslinien wie eine Straße. Wenn es all das nicht gibt, muss man sich etwas einfallen lassen: Einen kleinen Muschelberg, das eigene Schuwerk, ein Rucksack, vielleicht ein Zelt oder einfach nur eine Kaffeetasse — wir können uns den Blickfang passend zum Motiv errichten. Und letztlich kann man sich selbst aufs Bild bringen und die Kamera fernauslösen oder das Bild mit dem Selbstauslöser schießen; versteht sich von selbst, dass man vorher alles Nötige festlegen und die Kamera fest installieren muss. (Aber ohne Stativ geht ja fast niemand Landschaften fotografieren.)

Para onde? by kunstgriff

Para onde? by kunstgriff

Das Objektiv

Ideal ist ein Weitwinkel-Objektiv mit einer Brennweite von 28mm oder kleiner, um eine Landschaft möglichst gleich scharf und komplett fotografieren zu können. Aber auch normalbrennweitige oder Tele-Objektive können zum Einsatz kommen, um Details und bestimmte Ausschnitte hervorzuheben.
Der Schärfebereich sollte möglichst groß gewählt werden, also mindestens Blende f8, besser noch f11. Da sich die Belichtungszeit dadurch wahrscheinlich verlängert, sollte stets ein Stativ dabei sein. Objektive sind im Bereich der mittleren Blendeneinstellungen meist am leistungsfähigsten. Bei der Landschaftsfotografie muss die Blendenöffnung zudem nicht an eine kleine oder große Feldtiefe angepasst werden (vgl. Schärfentiefe), da das Motiv gegen unendlich geht.

Verschlusszeit und Blende

Eigentlich ist die Verschlusszeit meistens nicht so wichtig, zumal ein Stativ zum Einsatz kommt, und richtet sich im Automatikmodus mit Blendenvorwahl nach eben dieser.
Jedoch gibt es Situationen, die eine bestimmte Verschlusszeit erfordern. Fließendes Gewässer weich abzulichten, zum Beispiel, oder die Bewegung einer Grasfläche im Wind einzufangen, sind solche Momente. Eine Faustregel für die Verschlusszeiten-Vorwahl gibt es nicht, aber es ist eine gute Idee, etwa bei 1/8 Sek. anzufangen.

Je kürzer die Verschlusszeit, desto statischer, eingefrorener wirkt eine Bewegung. Und umgekehrt kommt die Dynamik besser zum Vorschein.

Es empfiehlt sich, eine niedrige Empfindlichkeit (ISO-Zahl) zu wählen, da jede Stufe in der Empfindlichkeit nach oben die mögliche Verschlusszeit halbiert. Wenn man keine niedrige Empfindlichkeit einstellt, kann man eine entsprechende Verlängerung der Verschlusszeit lediglich über die Blende steuern: Je kleiner, also je geschlossener die Blende ist (je höher also die Blendenzahl), umso länger wird die Verschlusseit, damit richtig belichtet wird.

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