Ich war mal sehr stolz, ein Hamburger zu sein…

… ungefähr bis gestern nach Bekanntgabe der Volksabstimmung.

Hamburg hatte den Mut, zusammenzubringen, was nach herkömmlichen politischen Ansichten nicht zusammen gehört. Schwarz-grün wiederum, durchaus mit Schwächen, hatte den Mut, eine grundlegende Schulreform auf den Weg zu bringen, die jeden, DER SICH MIT PÄDAGOGIK UND SCHULE AUSKENNT, zum Jubeln gebracht hat. Längeres gemeinsames Lernen, keine frühe Selektion in einem Alter, in dem die zukünftige Schulkarriere nicht sicher vorhersehbar ist, nämlich nach der 4. Klasse.

Und dann kamen die Pfeffersäcke aus den Elbvororten…

Mit reichlich Geld und guten Seilschaften schaffte es die Initiative „Wir wollen lernen“, die zugegeben etwas undezidierte und nicht besonders glücklich kommunizierte Reform zu kippen. Frau Anette SchaWahn, ihres Zeichens irgendwas im Ministerialrang in Berlin, begrüßte sogleich das Scheitern. Die FDP auch. Wissen Sie eigentlich, dass zu denen, die empfohlen haben, der Vorlage der Initiative zuzustimmen und jene der Bürgerschaft abzulehnen, auch die NPD gehört hat? Na, dann wissen Sie es jetzt.

Ach, Hamburg, du Perle, deine Einwohner haben sich aber gehörig einlullen lassen. Mit wenig stichhaltigen Argumenten, dafür aber umso mehr Populismus und geschürten Ängsten, hat man die Hamburger Denkwarzen so gepolt, dass der Volksentscheid ein Ergebnis brachte, das vor allem den Betroffenen selbst, also den Schülern, zum Nachteil gereichen wird.

Liebe (Noch-)Mit-Hamburger, da hat Euch wohl der Mut verlassen gefehlt. In gewisser Weise schäme ich mich, Zeitzeuge einer großen verpassten Chance gewesen zu sein. Ich war mal so stolz, ein Hamburger zu sein, aber ich habe es kommen sehen. Das war, auch wenn es jetzt vielleicht seltsam klingt, einer der Gründe, Hamburg den Rücken zu kehren und zur Landpomeranze zu werden.

Vergleiche haben gezeigt, dass Hamburg hinterherhinkt, wenn es um schulische Leistungen geht. OK, in Niedersachsen stand eine solche Reform nicht zur Debatte, aber die Schule ist anspruchsvoller dort. Wie sagte doch unser Dorfschupo neulich? „Wer in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein in der Schule kein Bein an die Erde bekommt, der zieht halt nach Hamburg — hier kann man das immer noch schaffen.“

Schade, liebe Hansestadt. Ob ich jetzt der Volksinitiative „Wir wollen lernen“ gratulieren werde? Einen Teufel werde ich tun. Wir verlassen lieber das sinkende Schiff. Und wo die Beule von Ost — Verzeihung, Ole von Beust, nun auch nicht mehr da ist, stehen die Zeichen mindestens auf extreme Unruhe, wenn nicht sogar auf Sturm. Das badet Ihr mal schön alleine aus. Jedes Volk bekommt das, was es verdient.

Eines noch: Ich mag die FDP nicht, die NPD ist indiskutabel, und ein ausdrücklicher Freund der CDU bin ich auch nicht wirklich. Aber Ole, der hatte einen A…. in der Hose. Erstaunlich innovativ, irgendwie fast überparteilich, mit gutem Auftreten. Alles Gute im Leben nach dem Bürgermeisteramt!

Etwas Hintergründiges zum Thema:
Hamburger Volksentscheid über die Schulreform
„Wir wollen lernen“ oder: Wie eine Initiative Innovationen zerstört

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