Was wir nach 14 Tagen des Landpomeranzen-Daseins mitnehmen können

So einiges.

Die Schule ist teurer, der Hort auch, die Materialliste für die Schule umfangreicher, die Hausaufgaben ebenso. Die Einschulung beginnt traditionell mit einem Gottesdienst und findet — ebenso traditionell — an einem Samstag statt.

Die Wege auf dem platten Land sind weit, aber das wussten wir vorher. Seit vielen Jahren ist in unserem kleinen Ortsteil Seybruch niemand mehr in den Bus gestiegen. Wir mussten daher das zuständige Unternehmen erst unterrichten, dass es ab sofort wieder Schüler gibt, die transportiert werden müssen.
Passend dazu: Die mangelnde Verkehrssicherheit vor der Tür. Über die vermeintliche 50-Zone haben wir bereits berichtet. Es ist quasi unmöglich, dass die Jungs die Bundesstraße alleine überqueren — von Freunden, die sie besuchen wollen, mal ganz abgesehen. Trotz frühzeitigen Blinkens kleben uns die nachfolgenden fahrbaren Untersätze regelmäßig an der Stoßstange, weil sie zu schnell um die Kurve gerauscht kommen. Nach einigen Nachfragen bei den vermeintlich zuständigen Stellen schiebt man sich untereinander die Verantwortung zu, aber eine Ampelanlage wird es wohl nicht geben, da Seybruch keine geschlossene Ortschaft ist. Scheint wie so oft zu sein: Erst, wenn etwas passiert ist, passiert etwas. Prävention als Fremdwort? Wir bleiben hartnäckig und formulieren gerade eine schriftliche Anfrage.

Regelhaft wird hier sehr offensiv Auto gefahren … man könnte auch sagen, dass gedrängelt und gerast wird. Dabei tun sich die Mecklenburg-Vormommerer (LWL), die Altmarker aus Sachsen-Anhalt (SAW) sowie die Prignitzer aus Brandenburg (PR) ebenso hervor wie die Locals des Lankreises (DAN). Überholt wird an allen möglichen und unmöglichen Ecken, nicht immer mit Erfolg, wie die Kreuze am Wegesrand andeuten.

Erkläre deinem Bezahlfernseh-Anbieter genau, was du vor hast, sonst schckt man die zwar genau das richtige Gerät mit der passenden SmartCard für das aus der Luft gegriffene Signal, führt dich aber weiter als Kabelkunden, und die bewegten Bilder in Farbe und bunt bleiben aus. In diesem Zusammenhang, auch das mussten wir lernen, sollten für die Befestigung im Außenbereich stets gute Schrauben verwendet werden — der nötige Wechsel des LNB wegen der digitalen Umstellung musste brachial mit Eisensägen durchgeführt werden, selbst ein Entroster-Einsatz brachte nichts ein.

Unserem Vogel, den wir vor einigen Wochen als Jungvogel nach einem Sturz aus dem Nest entdeckt und aufgenommen haben, geht es ausgezeichnet. Anfänglich hielten wir ihn für einen Erlenzeisig, aber die Zeichnung nach der Mauser weist eher auf ein Goldammer-Mädchen hin. Auswildern geht nicht mehr, der gefiederte Kollege ist zu einem Haus- und Familienvogel verkommen, der auf dem Kopfkissen übernachtet, durchs Haus fliegt und sich auf dem Kopf ganz wunderbar wohl fühlt. Sei’s drum.

Goldammer-Weibchen, Foto, Bild, Vogel, Singvogel, Emberiza citrinella

Handaufgezogenes Familienmitglied

Wir haben viele neue, sehr nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt, aber leider auch feststellen müssen, dass man sich in so manchem vordergründig freundlichen Zeitgenossen mächtig täuschen kann. In Hamburg lernt man den Wert der verbindlichen Absprache mit Handschlag kennen, aber das gilt offensichtlich nicht für alle Situationen und Mitmenschen. Herbe Enttäuschungen inklusive, vor allem dann, wenn man des Sachverhaltes über Dritte Gewahr wird. Und wir haben auch noch Kaffee und Kuchen serviert…

Zum Schluss: Wir fühlen uns im wendländischen Gemüse sauwohl. Klar vermisse ich Hamburg dann und wann, vor allem meinen geliebten Kiez und den Hafen, aber das Leben hier ist wesentlich entspannter unter dem Strich. (Ein Schelm, der wegen des Striches nun gedankliche Parallelen zum Kiez zieht.)

Fachwerkhaus Seybruch, Niedersachsen, Wendland, Foto, Bild

Ante portas

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4 Gedanken zu „Was wir nach 14 Tagen des Landpomeranzen-Daseins mitnehmen können

  1. Stellen Sie doch mal einen nachgebauten Starenkasten auf.

    Schön, dass Sie sich wohlfühlen, das Leute kennenlernen birgt immer gute wie weniger gute Überraschungen, aber ich glaube, das ist doch überall so. Ich wohne ja auch eher ländlich trotz Stadtnähe und trotzdem hat die Dorfjugend, die den jugendlichen Nachbarn besucht, aus dem außerhalb der Wohnung stehenden Schrank diverse Kleisdungsstücke assimiliert, unter anderem meinen Glücks-St.Pauli-Kapuzenpullover.

    Das Vögelchen ist aber schnuckelig 🙂 Sie haben bestimmt auch noch andere Tiere, von denen Sie noch gar nichts wissen. Landleben und so 😉

    • Es wimmelt nachgerade! Wühlmäuse, Ameisen, Hornissen, wilde Katzen, Anaerobier, Stinkwanzen … Landleben halt, wie Sie schon so richtig bemerkten. Ja, den Starenkasten haben wir fest im Visier. Aber zunächst muss die Hamburger Wohnung komplett geleert werden. Da steht noch reichlich Schrott für den Recyclinghof. Hernach melde ich mich um. DAN statt HH — wir schwanken noch zwischen einem Nummernschild DAN-HH und DAN-X. FCSP würde ja leider jede Bestimmung sprengen…

      • Was ist mit Mäusen und Mardern? Die machen so richtig Spaß 🙂

        Haben Sie eigentlich einen Hund? Wenn nicht, hätten Sie jetzt wohl Platz. Oder ein Pferd *gnihihi

        Nummernschilder werden auch überbewertet.

        • Waschbären, meine Liebe, das sind die wahren Problembären! Davon gibt es in der Elbtalaue reichlich. Und mit Mardern hatten wir schon in Hamburg Probleme. Mäuse? Klar, ständig stoßen wir auf Wühlmausgänge, das hält den Boden locker und führt zu treibsandartigen Verhältnissen.

          Alle Problemtiere heißen bei mir intern nur noch Chemnitzer. Fragen Sie mich bitte nicht, warum…

          Nummernschilder können gar nicht überbewertet werden, sind sie doch Teil der persönlichen Identifikation. 😉

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