Mit Kindern zum Castor-Protest?

Im „Zeit.Magazin“ von heute wird diese Frage aufgeworfen. Mirko Borsche, zweifacher Vater und Creative Director, sagt klar „Ja“. Er möchte nicht, dass seine Kinder so unpolitisch werden, wie er es früher war. Spricht von Gerechtigkeitssinn, den Kinder haben, von Entscheidungen, die Eltern für ihre Kinder ohnehin treffen („Meiner Meinung nach nennt man das Erziehung“), wobei er jedoch einschränkt, dass Kinder in gefährlichen Situationen nichts zu suchen haben.

Matthias Kalle, einfacher Vater und Berater des Magazins, meint klar „Nein“. Die Demonstration moralischer Überlegenheit nennt er das, wenn im Namen der kommenden Generation diese auf Demos gezerrt wird, deren Aussagen sie jedoch nicht versteht („Button aufgeklebt […], den er nicht einmal lesen kann“), und schreibt, dass Kinder Politik noch nicht begreifen und dass Demos kein Ort für sie sind, wo sie ohnehin nur für etwas instrumentalisiert werden, was ihre Eltern schlecht finden.

Zwei Positionen, über die gewiss kontrovers diskutiert werden kann und muss.

Wir haben unsere beiden Jungs sowohl mitgenommen — als auch daheim gelassen. Ich denke, dass es umso wichtiger ist, Kinder an bestimmte Themen heranzuführen, je unmittelbarer sie betroffen sind. Und ich kann Ihnen sagen, wie unmittelbar wir Wendländer hier vor Ort in den Tagen des Castor-Transportes betroffen sind. Hausarrest während des Transports, Schulausfall, stetige Kontrollen der Papiere, Treckerblockaden … Kinder fragen natürlich, warum das alles passiert. Sie fragen, was ein Castor ist, wofür das X steht, woher all die Polizisten kommen … und sie haben ein Recht auf Antworten, die natürlich subjektiv geprägt sind. Angela Merkel hätte meinen Kindern sicherlich ganz andere Antworten gegeben als meine Landpomeranzin und ich, aber so ist das Wesen der Erziehung und der Meinungsfreiheit.

Bei der Gleisblockade in Harlingen hatten beide die freie Wahl, ob sie mitgehen möchten oder nicht. Sie haben sich dafür entschieden, sie wollten sehen, wie das abläuft, aber als die Staatsmacht kurz vor der Räumung darum bat, dass Eltern mit Kindern sich zurückziehen sollten, hatten wir das ohnehin gerade vor. Erfahrungen der körperlich konfrontativen Art machen Kinder noch früh genug. Auch auf der Großdemo in Splietau am 6.11. waren unsere Kinder dabei, blieben jedoch bei Freunden, als sich die Polizei behelmte und aufmarschierte. Bei der Tour de Wendland in der Nacht vor dem Transport waren wir geplant kinderlos unterwegs. Erfahrungsgemäß wird die Stimmung gereizter, je näher die Castoren Gorleben kommen. So etwas wäre mit Kindern nicht zu verantworten, zumal dann nicht, wenn man — wie wir — auf geheimnisvollen und abenteuerlichen Pfaden hermetisch abgeriegelte Orte wie Laase ansteuert. Und eine Odyssee wie diese möchte ich einem Kind garantiert nicht zumuten. Alles hat eine Grenze.

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