Die neuen Leiden des jungen S.

Als Jungkatze, 2005

Es ist passiert, was irgendwann passieren musste: Wo Autos und Katzen aufeinandertreffen, gibt es Opfer. Unser Kater, ein DDR-Perser mit echter Katzennase, ist unters Auto gekommen. Er muss sich mit letzter Kraft zum Haus geschleppt haben, lag eingerollt und kraftlos unter der kleinen Bank vor unserem Haus und regte sich kaum. Atmete sehr schwer, die Herzfrequenz war zu schnell, und er war unterkühlt. Aber er hat gekämpft.

Die hiesigen Tierärzte sahen sich außerstande, mehr zu tun als das Tier zu stabilisieren und gegen die Schocksymptomatik eine Infusion zu legen, also sind wir in die Tierklinik nach Lüneburg gefahren. Um Mitternacht mit einem verletzten Tier 50 Kilometer durch Waldgebiete zu fahren ist wirklich kein Zuckerschlecken, aber für unsere Katze ist kein Weg zu weit, solange er sich lohnt.

In der Tierklinik wurde er geröntgt und untersucht. Erste Diagnosen: Starke Unterkühlung, Lungenriss (Pneumothorax), dadurch war das Herz zu weit in den Brustkorb gewandert, Auskugelung der Hüfte (Hüftluxation) auf der einen, eine Wadenbeinfraktur und eine offene Wunde mit Abriss einiger Sehnen sowie Knochen- und Gelenkfreilegung auf der anderen Seite. Das Tier blieb da, erhielt eine Thoraxdrainage zur Absaugung der Luft als Erstmaßnahme.

Heute dann die OP. Der Kopf des luxierten Hinterlaufs war angebrochen, dazu ein Knorpelschaden, und wurde daher entfernt. Am Hinterbein mit der Wadenbeinfraktur und den Sehnenabrissen wurde ein Fixateur externe eingesetzt. Zu allem Überfluss zeigte sich noch eine Bruchlücke in der Bauchdecke (Abdominalhernie), durch die Darmgewebe nach außen gedrungen war. Also eine sehr komplexe OP, die zudem ein riesiges Loch in der Geldbörse der Landpomeranzen reißen wird.

Aber wenn ein Tier sein ganzes Leben in einer Familie lebt, wäre die Frage nach den Kosten zynisch. Vielleicht können wir ihn morgen abholen, aber er wird mindestens für die nächsten acht Wochen Quarantäine, Körbchenrue und viel Pflege und Liebe brauchen. Er ist über den Berg, aber wie gut er wieder laufen können wird, steht in den Sternen.

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8 Gedanken zu „Die neuen Leiden des jungen S.

  1. Oh je 😦
    Da kann man ja nur die Daumen drücken und ich kann verstehen, dass Sie alles in Ihren Möglichkeiten stehende tun für das arme Kerlchen. An Liebe und Fürsorge wird es ihm bestimmt nicht mangeln, das weiß ich und das mit dem Geld… Sie wissen ja, ich hab ein Pferd, dem es gerade auch nicht gut geht, aber wenn ich deswegen jetzt nur noch Ravioli für 0,39 direkt aus der Dose essen müsste ein Jahr lang – würde ich es machen.
    Es ist eben nicht „nur“ ein Tier, sondern ein Familienmitglied. Da fragt man nicht nach Kosten, da kriegt man es irgendwie hin.
    Wünsche die beste aller Besserungen, er spürt es sicher, wie man sich um ihn sorgt, das ist die halbe Heilung. Drücke die Daumen, dass alles gut verlaufen ist.

    Ich verstehe Sie sooooo gut…. alles Liebe von hier aus!

    • Ja, jekylla, Sie verstehen das… Aber ich habe auch schon „Ist doch nur eine Katze“ gehört. Dafür so viel Geld ausgeben?

      Letztlich ist es so: Wer jemals in die Augen eines Tieres geblickt hat, das vertraut und auf seine Weise bedingungslos liebt, der kann nur alles für dieses Lebewesen tun. Wie sagten Sie doch: „da kriegt man es irgendwie hin“.

      Gut, dass wir Sky haben. Wir wollen so oft es geht beim Tier sein. Da geht dann eben nichts vor Ort auf dem Kiez, aber immerhin von hier aus.

  2. Oh nein, der arme Struppi! 😦 Ich kann es gar nicht glauben, mir ist eben auch das Herz stehengeblieben, als ich den Eintrag bei Evi sah….Wie geht es ihm jetzt? Ich drücke ihm gant doll die Daumen! Drück ihn von mir. Und meldet euch mal!

    • Er hat leider etwas Fieber bekommen, derzeit laufen Antibiotika über die Vene. Hat aber schon mal versucht, sich aufzurichten, frisst aus der Hand und bessert sich. Vielleicht kann er morgen nach Hause, aber das wird nach der Visite entschieden. Ein Problem könnte die Bezahlung sein, die einiges über 1.000 Euro liegen wird. Am Wochenende entlässt die Tierklinik nur gegen Bahrzahlung. Sonst eben Montag.

  3. Hi..ich habe mir mal jetzt dein text richtig durch gelesen und ich finde das persönlich echt klasse und hammer und voll respekt…alle die sagen „Es ist nur ne Katze und warum soll mann so viel geld ausgeben….“ Die haben echt keine ahnung davon und können es nicht verstehen….Jeder hat das recht sooo lange es geht zu leben sei es Tier oder Mensch…Und da ist geld egal,weil ein leben egal Mensch oder tier kann kein geld wieder geben…Finde es voll super was ihr gemacht habt und wünsch eure Katze von ganzen herzen gute besserung..Ich weiß wie es ist wenn mann tier verliene tut wo es zu spät war was zu machen und für tier nur besser ist denn ruhigst ort zu finden…

    Mfg.Roy

    • Es gibt Menschen, die empfinden die Anwesenheit eines Tieres als weitaus angenehmer als jene von Menschen. „Nur ein Tier“ ist ein zynischer, ein böser Satz. Aber es gibt halt nicht nur Leute mit so einer Einstellung, wie du sie hast, sondern auch solche, denen vernünftiges Katzenfutter schon zu teuer ist.

      … die Katze ist das einzige vierbeinige Tier, das dem Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten, es brauche aber dafür nichts zu tun.
      Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

      Ja, wir kämpfen, denn es ist ein Mitglied unserer Familie!

  4. Hey,
    was muß ich denn da lesen….. wie schrecklich.
    Der arme Struppi, hoffentlich gehts ihm bald besser.
    Wie ich Euch kenne,werdet ihr das schon machen mit viel Liebe und ein behutsames heilendes Händchen wird er bald wieder hin und her springen können.

    grüße und drücker

    • Tja, Kai, ich sag‘ ja, dass dieses Jahr bis dato zum Abgewöhnen ist. Das Schicksal unseres Viechleins ist der traurige Höhepunkt! Nur gut, dass meine Schüler Praxiseinsätze haben und ich erstmal nicht unterrichten muss. Der arme Kerl wird auch daheim Intensivpatient sein.

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