Würden Sie so ein Buch lesen?

Oft kennt man ja Autoren nicht. Torsten … wer? Melanie … hä? Nie gehört. Und trotzdem verbergen sich da zuweilen Kleinode.

Nehmen wir mal an, ein Ihnen unbekannter Autor hat ein Buch geschrieben, dass diesen Text auf dem Umschlag hat:

Es ist die Zeit der Castor-Transporte im Wendland. Nach der Entscheidung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern und die Erkundung des Salzstocks in Gorleben als Endlager für atomare, hochradioaktive Hinterlassenschaften voranzutreiben, werden so viele Demonstranten und Protestaktionen erwartet wie nie zuvor. Die Stimmung ist schon im Vorfeld angeheizt, das sonst so beschauliche Wendland von 20.000 Polizisten besetzt.

Es fällt ein Schuss im nächtlichen Wald, der einen der Initiatoren des Widerstandes tödlich verletzt. Er verschwindet in Gülle.

Aber das ist nur der Anfang einer Verkettung von unglücklichen Ereignissen und Fehlentscheidungen, die eine Blutspur durch den östlichsten Zipfel Niedersachsens zieht und in einer Tragödie endet.

Hand aufs Herz: Würden Sie so ein Buch lesen? Dazu gibt es eine kleine Umfrage. Oder Sie schreiben ’nen Kommentar, wenn’s beliebt. Mit herzlichem Dank im Voraus!

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8 Gedanken zu „Würden Sie so ein Buch lesen?

  1. Hallo Jörg,
    ich würde so ein Buch nicht lesen. Es klingt für mich nach dem ersten Lesen nach „unsere Politik macht alles falsch und der wurde doch bestimmt von einem Bullen abgeknallt, weil das alles Schweine sind“-Roman mit Lokalkolorid… und die meisten Lokalen Geschichten sind eben auch nur für lokale Anwohner interessant. Und du weißt ja, wie viele es davon im Wendland gibt 😀
    Also nein, ich würde das Buch nicht kaufen.
    Rike

    • Danke an den Bodensee, Rike!
      Abgesehen davon, dass die Politik tatsächlich instinktlos vorgeht, abgesehen davon, dass die Entsorgung des Mülls ein gesamtdeutsches und kein regionales Problem ist — Lokalkolorit muss natürlich sein, aber eine Globalpatsche gegen die Polizei (“ […] weil das alles Schweine sind […]„) wird man in diesem Fall leider nicht finden. Das wäre viel zu sehr im Schwarz-Weiß-Denken verhaftet. Die Welt ist aber leider nicht nur aufteilbar in zwei Fraktionen wie Gut und Böse. Es gibt überall Grauzonen und unglückliche Umstände, die aus unbescholtenen Menschen Kriminelle machen können, obwohl die so etwas nie gewollt haben.
      Aber ich gebe zu, dass dieses Lager-Denken in vielen Kreisen gerade Hochkonjunktur hat. Medial gesehen gibt es selten differenzierte Berichte. Die einen reden von „Chaoten“, die anderen von „Bullenschweinen“. Aber so leicht kommt man dem Autor nicht davon! Das wär’s noch!

      [EDIT] Hier gehört die Antwort hin!

      • Moin,

        Lokalkolorid ist immer relativ. Es gibt einen Haufen Lokalkolorid mit Hamburger, Münchner und sonstwas-Anstrich. Soweit es sich um Gegenden handelt, die man kennt oder zu kennen glaubt, ist das auch ok. Beim Wendland ist es jedoch so, dass viele nicht einmal wissen, wo genau das ist und eine bekannte Prägung hat es auch nicht (kein spezieller bekannter Dialekt, einziger Bekanntheitsfaktor sind die Castor-Transporte).

        Das Anti-Atomkraft-Thema hat im Moment leider wieder Hochkonjunktur, weil die Politik gezeigt hat, dass sie einmal gefasste Beschlüsse auch jederzeit wieder kippen kann. Nun wird das zwei Jahre vor dem BVerfG verhandelt, ob die Meiler überhaupt rechtmäßig laufen (plus der Zeit, die vom Gericht gegeben wird, um ein neues Gesetz zu schreiben). Bis dahin ist die jetzt amtierende Bundeskanzlerin womöglich gar nicht mehr im Amt. Das Problem was ich sehe ist, dass den Leuten das Thema schnell zum Halse heraushängen wird, man kann ja jetzt schon beobachten, dass kaum wer gegen Atomkraft demonstriert. Dennoch sieht das Buchthema sehr nach „ich häng mich an was Aktuelles, das pusht“ aus….

        • Danke nach Hamburg! LokalkoloriT hat das Wendland schon — man sollte das keinen Eingeborenen hören lassen, dass es den das (Natürlich DAS! Danke für den Hinweis, Jekylla!) nicht gibt! Aber natürlich ist das weder sauerkrautig noch lederhosen oder frankfodderisch. Es gibt keinen Dom, keine römischen Viadukte, keinen nennenswerten Hafen, keine Blumeninseln.
          Mal davon abgesehen: Für viele Großstädter aus Berlin oder Hamburg ist das Wendland seit vielen Jahren eine gern angesteuerte Urlaubsregion.
          Zum Thema „ich häng mich an was Aktuelles, das pusht“: Für vieles gibt es richtige Zeiten. Ich sehe da die Verwerflichkeit nicht, die die Wortwahl durchaus impliziert. Man nenne mir einen Wirtschaftszweig, der nicht die Gunst der Stunde nutzt.
          Ganz abgesehen davon ist das Thema seit über 30 Jahren aktuell, und auch eine andere Regierungsführung kommt nicht umhin, sich damit zu beschäftigen. Und dass „kaum wer“ gegen Atomkraft protestiert, halte ich weitgehend für ein Gerücht: Siehe hier oder hier oder hier, nur mal so als Beispiel.

  2. Das ist jetzt schon ein bisschen voreingenommen, aber ich würde das Buch schon mal deswegen lesen, weil ich eine Ahnung habe, wer der Autor sein könnte.
    Aber so objektiv es mir irgendwie möglich ist: aktuelles Thema, guter Einstieg und ein schöner Buchbeschreibungs-Cliffhanger.

    Soll heißen: ja, würde ich.

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