Landpomeranzen politisch: Warum der Rücktritt von KTzG unvermeidlich war

Auch Landpomeranzen haben eine politische Meinung, nicht nur hinsichtlich des Castor-Transports. Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, ehemaliger Verteidungungsminister und Liebling der Massen und Medien, ist, wie Sie Ihrer Tagespresse sicherlich entnommen haben, zurückgetreten. Wenn Sie mich fragen: Das war konsequent und absolut richtig!

Ich stimme nicht immer überein mit Taten, Entscheidungen und Äußerungen der Regierung. Also, ich stimme so gut wie nie überein in letzter Zeit. Den Guido W. mochte ich noch nie, und das einzig richtige, was er in letzter Zeit von sich gegeben hat, war die Erkenntnis, dass die Beherrschung der deutschen Sprache eine Conditio sine qua non ist für ein Berufsleben in diesem Land. Rein inhaltlich gesehen hatte ich mit KTzG wesentlich mehr Schnittmengen, was mich sicherlich noch mehr verwundert als Sie, wenn ich mir sein Parteibuch ansehe. Trotzdem musste er zurücktreten. Dafür gibt es genau einen trifftigen Grund:

Er hat wissenschaftlich mindestens schlampig gearbeitet, wenn nicht gar vorsätzlich getäuscht. Das ist kein Lapsus, sondern ein Kardinaldelikt. Schon im Medizinstudium wies man uns im ersten Semester auf den Wert der wissenschaftlichen Arbeit hin. Bei den Geisteswissenschaftlern, die Pädagogen nun mal sind, wurde darauf noch häufiger hingewiesen. Eigentlich immer. Auch bei den Gesundheitlern hing die Messlatte von Beginn an sehr hoch. Hat jemand anderes die Erkenntnis gewonnen, die ich in meiner Arbeit zu nutzen gedenke, so ist das verwerflich, sich mit diesen fremden Federn zu schmücken. Ich würde auch nicht wollen, dass meine Mühen vergebens waren, weil andere sie sich zu eigen machen. Plagiarismus ist zudem strafbar. Das Urheberrecht schützt geistiges Eigentum. Das ist nicht nur für meine fotografischen Arbeiten von Belang.

Einige merkten an, dass Guttenberg doch ruhig seine Doktorwürde, die er mit „Summa cum laude“, also der Top-Note erhalten hat, zurückgeben, aber als Minister im Amt bleiben sollte. Ganz ehrlich: Nach dem Rumgeeiere der letzten Wochen, das von haltlosen Vorwürfen über eingeräumte Nachlässigkeiten bis zum letztendlichen Super-GAU reichte, hätte man dem Mann doch nichts mehr geglaubt. „Verantwortung verpflichtet“, so steht es auf seiner Internetseite. Gemessen wird die Glaubwürdigkeit und Integrität eines Menschen, nicht eines Ministers. Und der Mensch Karl-T. hat sich an der Wissenschaftlichkeit versündigt. Wer nicht promoviert, hat vielleicht andere Leichen im Keller. Aber hier liegt eben diese, und das ist mehr als ein kleiner Lapsus, mehr als das Abschreiben in der Mathearbeit in der 5. Klasse.
Einen akademischen Grad sollte man nicht für lau bekommen — und in der Regel steckt unglaublich viel Arbeit und Lebenszeit drin. Macht man’s wie K.-T., dann muss man sich den Vorwurf des Plagiarismus‘ gefallen lassen. Und dann war die Arbeit eben vergeblich, und der Titel ist futsch. Hat er das alles versehentlich gemacht, dann stellt sich die Frage, was er noch alles versehentlich macht (oder nicht macht). War das hingegen seine Absicht, dann möchte ich nicht wissen, was er noch so alles absichtlich macht (oder nicht macht). Beides keine Optimalbedingungen, um ein so hohes Amt zu bekleiden, nicht einmal Suboptimalbedingungen. So ein Mensch muss dann die Konsequenzen ziehen — und das hat er getan. Dafür, Herr Bundesminister Dr. Bundestagsabgeordneter Karl-Theodor zu Guttenberg, gebührt Ihnen mein Respekt! Sie haben (und den Ausdruck mögen Sie mir bitte nachsehen!) einen A**** in der Hose. (Nein, wirklich, das meine ich vollkommen ernst!)

Was ich Ihnen vorwerfen kann, sind zwei Dinge: Sie haben erstens zu lange manövriert, aber klar, so ein Verteidigungsminister muss sich schließlich verteidigen. Entweder sind Sie des Ausmaßes Ihrer Copy & Paste-Aktionen erst so spät gewahr geworden, oder Sie haben gehofft, dass jemand ’nen Deckel draufmacht und ein Mäntelchen des Schweigens, wenn Sie nur lange genug abstreiten.
Und zweitens werfe ich Ihnen vor, dass Sie das überhaupt gemacht haben. Sei es nun ein Versehen oder Absicht gewesen: Sie haben da zig Jahre reingesteckt, also haben Ihnen die Arbeit und der Doktortitel doch etwas bedeutet. Und dann so etwas. Da lese ich doch 73 Mal Korrektur, wenn’s sein muss. Aber so fahrlässig darf man einfach nicht sein.

Zum Schluss: Im Prinzip haben Sie Ihre Sache gut gemacht da in Bonn / Berlin. Besser zumindest als die anderen. Erst recht, wenn ich dann diesen Goppel-Gockel höre, der Schavan und Lammert für ihre Kritik in die Pfanne haut. Herdentrieb, Gruppenzwang? Seit wann darf man keine Kritik mehr äußern? Weil man mit dem C vorneweg im Gleichschritt marschieren muss? Frau Schavan ist immerhin Bundesforschungsministerin. Sollte die etwa nichts zu wissenschaftlichen Verfehlungen sagen dürfen?
In Ihrem Rücktritt liegt mehr Größe als im Hühnerstall-Hickhack davor und danach.

[EDIT] Es gibt andere in der Politik und der Wirtschaft, die haben echte kriminelle Energie an den Tag gelegt und die Nummer trotzdem ausgesessen.

[EDIT] Es wurde der Vorwurf laut, er hätte seinen letzten Satz geklaut. Ich finde, es sollte jetzt mal gut sein.

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2 Gedanken zu „Landpomeranzen politisch: Warum der Rücktritt von KTzG unvermeidlich war

  1. Hallo Jörg,

    das sind wir uns doch wieder einmal einig.

    Ich finde Fehler passieren das ist nun mal so, aber wenn sie passieren sollte man zu stehen und ich glaube ganz ehrlich nicht, dass eine Arbeit, die zu mehr als 3/4 aus Plagiaten besteht, aus Versehen oder aufgrund fehlerhafter Arbeit in einem so hohen Maße abgeschrieben ist.

    Wenn es allein bei dieser Plagiatsaffäre geblieben wäre, hätte man vielleicht sogar darüber nachdenken können, ob Herr von und zu nicht hätte Verteidigungsminister bleiben dürfen. Was ich allerdings so schäbig fand, ist seine gesamte Lügerei um diese ganze Affäre herum.

    Du hast es schon so richtig geschrieben, mit seinemUmgang mit der Sache, hat er seine Glaubwürdigkeit als Mensch verloren. Und wer als Mensch nicht glaubwürdig ist, was für ein Verteidigungsminister sollte sein. Karl Theodor zu Guttenberg hatte auf seiner Homepage etwas von einem Prädikatsexamen stehen. Auch das war eine Lüge. Der nächste Punkt der nicht ganz sauber ist, ist die Tatsache, dass er ständig als Jurist aufgetreten ist. O.k., er ist nicht herumgelaufen und hat gesagt er wäre Volljurist, wer macht das schon aber genau das ist doch der Punkt wenn jemand von einem Juristen spricht, geht man nach der, wie es immer so schön der Verkehrsanschauung, davon aus, dass es sich um ein Volljuristen handelt. Um einen solchen handelt es sich dann, wenn er beide juristischen Staatsexamen bestanden hat. Das war bei Karl Theodor offensichtlich nicht so. Und um diesen Makel (ob das wirklich einer ist, wage ich zu bezweifeln) sollte die Dissertation davon ablenken das eben kein Volljurist ist.

    All das zusammengenommen, lässt ihn in meinen Augen nur noch als Witzfigur erscheinen, die auf dem Posten eines Verteidigungsministers einfach mal fehlbesetzt ist.

    Was unsere heiß geliebte Bundeskanzlerin mit ihren Erklärungen rings um diese Affäre angerichtet hat, dazu sage ich jetzt lieber nichts, sonst denken dein werten Leser noch, ich hätte keine gute Kinderstube gehabt 😉

    Insgesamt hoffe ich, dass die Affäre damit beendet ist. Dass es tatsächlich Leute gibt, die für die Rückkehr von Karl Theodor zu Guttenberg in die Politik demonstrieren wie wohl heute in Hamburg geschehen, finde ich einfach nur lächerlich.

    Ich bin dafür, dass wir wieder zu den wesentlichen Dingen des Lebens kommen, davon gibt es wahrlich genug.

    Liebe Grüße an die anderen Pomeranzen und vor allem auch an den hoffentlich bald nicht mehr in hinkenden Kater.

    Simone

    • Nicht nur die Kanzlerin hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie verzichtet auf eine Rüge ihrer Forschungsministerin. Wie großherzig, Frau M., wirklich. Was hat die Schavan (irgendwie denke ich bei dem Namen immer an ein Großraumfahrzeug aus dem Hause Volkswagen) eigentlich so Schlimmes gesagt, dass der Seehofer Horst wie Rumpelstielzchen durch die Gegend rumpelt? Dass sie sich als promovierte Wissenschaftlerin „nicht nur heimlich schäme“. Na und? Recht hat sie! Jeder, der seriös wissenschaftlich gearbeitet hat, muss sich dafür schämen. Nein, besser noch: Muss dem Karl-Theodor sagen, dass er sich schämen sollte.

      Und der Lammert? Dessen Zitat hat sich der CSU-Oberguru doch auch auf „Wiedervorlage“ gelegt. Von einem „Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie“ hat er gesprochen. Auch hier: Was ist daran so schlimm? Weil man sich sonst in den politischen Seilschaften kein Auge auskratzt? Einem Fraktionszwang folgt, der zuweilen einer Denkbefreiung gleicht?

      Herrje, Horst, nun lass‘ mal die politische Kirche im Dorf. Auf beleidigt machen, weil DAS mediale Ereignis der CSU jäh abgestürzt ist? Und das auch noch selbstverschuldet? Weil keiner den KT mehr lieb hatte?

      Simone, manchmal wird mir seltsam zumute, wenn ich mir diesen Käfig voller Narren so ansehe.

      Und Angela lassen wir wirklich lieber außen vor.

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