Hoch! Und runter?

Es war einmal ein Eichhörnchen. (Vielleicht erinnern Sie, dass das Eichhörnchen des Autors liebstes Tier ist. Von den eigenen Katzen und der Goldammer Frau Piefke mal ganz abgesehen.)

Das Eichhörnchen hatte eine goldene Nuss erhaschen können. Und nicht nur das: Was waren die Freunde des Eichhörnchens euphorisch! In den Armen haben sie sich gelegen, dem Tier gehuldigt! Zufällig kam noch ein namhaftes Jubiläum hinzu, mir ist nur gerade aus den Hirnwindungen gerutscht, welches das war. Munter und voller Tatendrang kletterte es nun den Baum hinauf. Es wusste, dass dort oben ein anderer Wind weht, der Ton rauer und die Anforderungen höher sein würden, aber es wollte ja hinauf. Unbedingt! Das schönste Fell hatte man ihm zudem attestiert, dem Sciurus vulgaris. Ach, was war es stolz, und mit ihm alle seine Freunde, auch die keltischen.
Und dann geschah das Unfassbare! Zunächst mischte es da oben munter mit, das Nagetier. Ärgerte die Großen, Alteingesessenen. Und wieder waren alle voll des Lobes, mochten das liebreizende Spiel da zwischen den Zweigen, auch wenn es dafür nicht immer zählbare Nüsschen gab, verglichen es gar mit jenem der elegantesten Eichhörnchen aller Wälder und Parks.
Selbst das lokal-konkurierende Eichhörnchen von der Müllhalde hatte sich geschlagen geben müssen — und das war schließlich viele Jahre schon nicht mehr vorgekommen! Die Freunde wollten dem legendären Sieger ein Denkmal setzen und es für immer in Ehren halten.

Warum sich etwas geändert hatte, wusste vielleicht nur der Eichkater alleine. Plötzlich gelang ihm nichts mehr! Einige leistungstragende Zehen waren verletzungsbedingt abgefallen, aber alle hatten gehofft, die Ersatzzehen wären funktionell genug. Aber nein, mitnichten! Irgendwie gelang dem beliebten und sonst so agilen Tier nichts mehr. Es hatte einen Freund, der dereinst selbst dort oben gewesen war, einen Freund, der sich nun alles besah und dem Nagetier väterliche Ratschläge gab. Die Vorschläge aber stießen — trotz seiner anerkannten Expertise — bei des Eichkaters Freunden auf ein gewisses Unverständnis, zumindest waren sie in der letzten Zeit schwer nachvollziehbar.

Der pelzige Freund mit den Puschelohren und dem schönen Schweif saß fortan oben auf dem Baum, hielt seine goldene Nuss fest und sonnte sich scheinbar im verblassenden Licht vergangener Tage. Oder er konnte wirklich nicht mehr, weil aus dem Motiv nichts anderes herauszuholen war. Wer sich sonnte, der machte schließlich kein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter und schimpfte auch nicht wie ein Rohrspatz. Die Freunde jedenfalls standen fassungslos daneben, riefen und skandierten und schwenkten ihre Fähnchen, aber es half nichts: Stück für Stück ließ sich das Tier den Schneid abkaufen, zuweilen sogar demontieren. Ohne gewonnene neue Nüsschen aber drohte es dort von dort oben entkräftet herabzustürzen.

Dann jedoch wurden die Freunde aktiv. Sie hatten die nicht zielführende, unangenehme Duldungsstarre* satt und mobilisierten alle Kräfte, die zur Verfügung standen. Sie machten dabei zwei Dinge unmissverständlich deutlich: Wer euphorisch mit goldenen Nüsschen nach oben huscht, dem wird trotzdem nicht nachgetragen, wenn er wieder nach unten kraxeln muss. Freunde sind halt Freunde, auch auf dem harten Boden der Tatsachen. Nur (und das war das zweite, was die Freunde des Eichhörnchens zu sagen hatten): Es kommt darauf an, wie man nach unten kommt. Ob man sich kampflos ergibt oder leidenschaftlich kämpft.

Das hatte dann auch das Eichhörnchen begriffen, war aufgestanden und hatte in die Pfoten gespuckt. Jetzt erst recht, schrie es in den Wald hinein und reckte beide Arme nach oben.

Wie die Geschichte ausgegangen ist, möchten Sie wissen? Ach je, ich wohl auch, aber da müssen Sie und ich und alle anderen noch bis Mai warten. Um es mal mit einem unvergleichlichen Menschen zu sagen: Die Oper ist erst vorbei, wenn die dicke Dame gesungen hat.

In diesem Sinne…

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