Skeptische Atomingenieure und nicht regelbarer Mut

Common Cause Failure: Das Versagen mehrerer Komponenten oder Systeme. Ein Fehler, und mehrere Systeme fallen aus. (In Japan war der CCF der Tsunami, der einen Ausfall der Kühlsysteme hervorgerufen hat. Aber den braucht es gar nicht, auch kein Beben. Wenn bei Unterbrechung der Stromzufuhr, beispielsweise nach Stromausfall, die Kühlung der Brennstäbe ausfällt und der Notstrom nicht anspringt, dann ist die Kernschmelze schneller da, als man sich in Ländern mit ach so sicheren AKW vorstellen kann. So ein CCF kann immer und überall passieren.)

Lars-Olov Höglund, ehemaliger Chef der Konstruktionsabteilung von Vattenfall und für den Beinahe-GAU-Reaktor Forsmark in Schweden, wurde von Plasberg in der gestrigen „Hart aber fair“-Sendung gefragt, warum er als Ingenieur der Atomkraft so kritisch gegenüber steht. Hat er sich vom Saulus vom Paulus gewandelt?

Seine Antwort finde ich sehr bezeichnend:

„Ich habe ja mein ganzes Leben nur mit Atomkraft gearbeitet. Aber ich war immer skeptisch. Und immer mißtrauisch. Und das waren alles seriöse Leute, die in dieser Branche damals gearbeitet haben, die waren … es gab keine fanatischen Atomkraftbefürworter, die mit Atomkraft gearbeitet hat. Es war von Anfang an eine Brückentechnologie. Man hat sofort, wenn man damit sich beschäftigt hat, hat man gemerkt, es ist eigentlich nicht möglich, hundertprozentige Sicherheit zu bekommen, und … aber deswegen man muss skeptisch sein. wenn man überhaupt damit arbeiten soll.“

Übrigens: Seiner Meinung nach ist ein alter Reaktor wie ein altes Auto. Ein Käfer, so wurde angeführt, ließe sich heute nicht mehr auf die neueste Sicherheitstechnik bringen. Ein altes Atomkraftwerk auch nicht. Sagt nicht nur Höglund, sondern auch Stephan Kurth vom Öko-Institut.

Ansonsten war sie nicht der große Wurf der Erkenntnis, diese Sendung. Parteigezänk, obschon vehement abgestritten, zu zögerliche Aussagen von Ursula Völker von IPPNW, die bekannten Schönfärbereien von Ralf Güldner, dem Präsidenten des Deutschen Atomforums. Selbst Klaus von Dohnanyi, der mal 1. Bürgermeister in Hamburg war, erinnerte mich eher an einen Wanderprediger und verteidigte Merkel und Konsorten für deren Zurückrudern. Das war mir zu unkritisch.

Aber als die 50 freiwilligen (?) Arbeiter in Fukushima zur Sprache kamen, die sehenden Auges ihrem eigenen Untergang entgegensteuern, um die Kernschmelze zu verhindern, sagte er etwas Denkwürdiges:

„Mut kann man nicht regeln, Herr Plasberg. Mut kann man nicht regeln. Und das, was in Japan geschieht, ist ein Aufopfern von wenigen für eine große Stadt in der Nachbarschaft, für ein Land. Etwas, was wir weitgehend vergessen haben, was aber nach meiner Meinung eine Gesellschaft nie ganz vergessen darf.“

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