Trauer essen Liebe auf

Früher wurden Überbringer schlechter Nachrichten geköpft, heute darf die Post sanktionsfrei eine förmliche Zustellung abgeben. Sei’s drum: Es geht nicht darum, was darin steht, sondern um die Folgen fürs Gefühlsleben.

Wissen Sie, eigentlich war ich guter Dinge. Habe mich sogar mit meiner Höhenangst gestellt und die am Fachwerk hochwachsenden Rosen in Form geschnitten. Den Rasen gelüftet. Der Twitteria zugeschaut. Drei bis sieben Kaffee getrunken und den rekonvaleszierenden Kater geherzigt.

Dann klopfte die Post. Und reichte mir eben dieses Pamphlet mit einer Kostennote, die mich erst wütend, dann traurig machte. Dabei hätte sie sich umgehen lassen, die Kostennote, und mit ihr alles, was drumherum geschehen ist, wenn man normale Kommunikationswege genutzt hätte. Letztlich hinterlässt die ganze Sache, die nun endlich einem Ende entgegenstrebt, mehr als nur ein G’schmäckle. Sie ist eine Katastrohe für die emotionale Sachlage.

Die zu beschreiben momentan unmöglich ist. Eine unübersichtliche Gemengelage. Mithin ein Desaster. Während mir Frau Piefke liebevoll ins Ohr beißt, bemerke ich eine große leere Stelle dort, wo einst etwas wohnte, dort, wo ein Organ sitzt, aus dem mancher eine Mördergrube macht.

Um Schuldzuweisungen, an welche Stelle auch immer, soll es hier nicht gehen. Der Brunnensturz ist längst vollzogen, am Netz sind wir dabei mit den Armen wild rudernd vorbeigeschrammt, und jeder hat seinen Anteil daran, auch ich.

Was bleibt, ist eine Traurigkeit, die sich nicht abschütteln lässt. Und die Gewissheit, dass vieles nicht mehr so sein wird, wie es mal war.

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6 Gedanken zu „Trauer essen Liebe auf

  1. Oh je, das klingt, wenn auch mysteriös genug, dennoch nicht schön. Was immer es ist, was Ihr Herz beschwert -denn es ist noch da, ganz bestimmt!- ich wünsche Ihnen nur das Beste. Und dass es Ihnen irgendwann wieder leichter um das wird, was Sie gerade absent wähnen…

    • Wo Sie’s erwähnen: Sie fehlen auch noch in der Follower-Liste. Das macht die Sache auch nicht wirklich leichter. Im Ernst: Wissen Sie, wie das ist, wenn Sie merken, dass etwas (hoffentlich nicht) irreversibel kaputt gegangen ist? Und ich rede hier nicht von einer Vase — es ist eher so etwas wie mein persönliches Armageddon. Eine Art Kernschmelze. Nur die 50 Freiwilligen fehlen, um das aufzuhalten. So in etwa jedenfalls.

      [EDIT] Hier gehört die Anwort konsequenterweise hin.

      • Wie, ich fehle in der FollowerListe??

        Ja, ich weiß wie das ist. Wobei das langsame Dahinsiechen im Vorfeld des Kaputtgehens noch fast schlimmer ist als das endgültige Kaputtsein. Weil man weiß, dass es kaputtgeht und irgendwie nur zuschauen kann dabei. Unaufhaltsam eben. Ob mit oder ohne Freiwillige.

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