Wieviel Restrisiko darf es denn sein?

Leben ist Risiko. Es wird gewirkt und genebenwirkt. Es bedarf meines Erachtens keiner Diskussionen darüber, dass das Leben an sich nicht ungefährlich ist. Man kann alles fünf-fach dübeln, klar, die Kinder vorsorglich im Haus lassen, damit sie sich weder einen Schnupfen holen noch vom Kletterbaum stürzen, und auch sonst allerlei risikominimierende Vorkehrungen treffen, um das Restrisiko überschaubar zu halten. Aber es bleibt immer, dieses Restrisiko, egal was wir unternehmen.

Und genau damit müssen wir in der Tat leben. Ein Betrunkener, der mit überhöhter Geschwindigkeit die Landstraße entlang brettert, während man jene gerade überquert, und schon war’s das mit der persönlichen Risikominimierung. Oder ein mordlüsterner Mensch, der jemandem nach dem Leben trachtet, trifft Sie zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder eine Naturkatastrophe. Autounfall. Die Diagnose eines malignen Tumors, Herzinfarkte, Apoplex. So was. Aber gilt das auch für die Atomkraft? Müssen wir auch damit leben? Mitnichten!

Ein AKW ist — bei allen friedlichen Absichten und bester Wartung — eben ein unberechenbarer und im Un-Falle unbeherrschbarer Geist, den wir im Glauben an den technischen Fortschritt auf den Plan gerufen haben. (Warum Atomkraft meines Erachtens unethisch ist, habe ich früher schon mal dargestellt.) Für verheerende Wirkungen der Atomkraft gibt es ausreichend Beispiele, friedliche wie kriegerische, und die werden hier nicht noch mal aufgewärmt. Man muss schon hinterm Mond leben oder in Hessen gewesen sein, um von der gerade in Japan stattfindenden Tragödie nichts gehört zu haben.

Während das allgemeine Restrisiko des Lebens ein eher individuelles ist, haben wir es im Falle der Atomenergie mit einem globalen zu tun. Dieses Restrisiko zu tragen ist unmöglich. Japanische AKW galten lange als sicher. So lange, bis das Restrisiko der Naturgewalten (Erdbeben, Tsunami) uns eines Besseren belehrt hat. Oder genauer: Einen Teil von uns, denn das Wendland (und nicht nur der östlichste Zipfel Niedersachsens) warnen schon über 30 Jahre vor den unkalkulierbaren Gefahren der atomaren Energiegewinnung.

Es geht hier nicht um den zweifelhaften Triumph, das schon immer gewusst zu haben. Wissen Sie, Regierungen haben doch auch Fachleute, die sie beraten. In Fragen der Atomkraft drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass nur Lobbyisten und unkritische Geister der Kanzlerin und ihrem Guido zur Seite gestanden haben. Angeblich war die Nicht-Regierungs-Organisation mit schwarz-gelbem Anstrich von Fukushima überrascht, weil jemand mal die statistische Wahrscheinlichkeit eines atomaren GAU berechnet hat: Nur alle 33.000 Betriebsjahre sei damit zu rechnen. (Mehr zu diesem Thema können Sie hier nachlesen.)

Ich habe vor über einem Jahr eine kleine Serie über die Irrungen und Wirrungen der Atomkraft angefangen — in loser Folge werden die hier bei den Landpomeranzen veröffentlicht werden. (Wann, wenn nicht jetzt?) Aber ein Argument — eines der wenigen übrigens, die die Atombefürworter noch immer in die Runde werfen — soll hier direkt enttarnt werden: Atomstrom sei günstig, heißt es. Keinesfalls ist er das! Gut, er ist es derzeit schon, verglichen mit regenerativer Energiegewinnung, aber reden wir doch mal über –Jawoll! — eine Versicherung des Restrisikos. Dieses Risiko versichert niemand. Die Folgekosten für Tschernobyl beispielsweise liegen bis zum Jahr 2015 bei 160 Milliarden Euro. In Deutschland ist jeder Meiler mit 2,5 Milliarden Euro versichert. Verzeihung: Unterversichert. Bei Vollversicherung wäre es mit Produktionskosten von etwa 2 Cent pro kWh nicht getan — mit einer etwa drei-fachen Anhebung müssten wir rechnen. Das würde dann auf Sie umgelegt werden. Nebenbei: Sollten Sie noch Atomstrom beziehen, dann wissen Sie, dass Sie keinesfalls einen Arbeitspreis von 2 ct./kWh bezahlen, sondern um die 20 bis 25 Cent. Der Rest? Deckung der Kosten, Steuern — und vor allem Gewinn der Monopolisten.

Wenn wir dann noch zu den allgemeinen, nicht versicherbaren Betriebsrisiken und dem auch aus ökonomischer Sicht nicht haltbaren geringen Strompreis die ungeklärte Endlagerfrage hinzurechnen, so reicht das eigentlich schon als Argumentationsgrundlage gegen die Atomkraft.

Natürlich kostet der Ausbau der Infrastruktur Geld. Aber wir müssen entscheiden, was uns wichtiger ist: Wahrung des Lebensstandards mit regenerativen Energien, was es nicht zum Nulltarif geben kann, oder ein vermeintlich günstiger Strom aus Atomkraftwerken, deren Restrisiko untragbar ist.

Übrigens haben die Landpomeranzen Köpfe mit Nägeln gemacht und sind zu Naturstrom gewechselt. 21,25 Cent pro kWh, Grundpreis 7,95 pro Monat. Noch Fragen? Empfehlungen können ebenso für Greenpeace Energy, LichtBlick und die Elektrizitätswerke Schönau ausgesprochen werden. Informieren Sie sich einfach hier.

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