Die Absurdität und Verlogenheit der Atompolitik

Klar, die Komplexität eines Atomkraftwerkes zu erfassen ist in der Tat schwierig. Ist ja auch kein Zweitaktmotor. (Und selbst der stellt so manchen vor eine unlösbare Aufgabe.) Trotzdem gab es schon vor Tschernobyl und vor Fukushima Menschen, die gewarnt haben. Eindrücklich gewarnt. Denn eines ist klar: Ein Common Cause Failure (CCF) hat bei so einer Konstruktion unabsehbare Folgen. Unabsehbar im Sinne von verheerend, gewaltig, unfassbar. Absehbar hingegen ist, dass es nicht bei einem *PLÖPP* mit Ausfall des AKW bleiben wird, sondern immense Schäden hervorruft. Wer, wo und in welchem Maße geschädigt wird, hängt hingegen von vielen Faktoren ab.

Die derzeitige Regierung (den Karnevalsverein als solche zu bezeichnen verursacht bei mir heftigste gastro-intestinale Beschwerden) hat sich dem Diktat der Energieversorgungsmonopolisten gebeugt, ist aus dem Ausstieg ausgestiegen und ermöglicht den Betreibern satte Gewinne. Ein abgeschriebenes Atomkraftwerk bringt pro Tag etwa 1 Million Euro ein.

Das war im September des letzten Jahres, also gut sechs Monate vor Fukushima. Alles sicher, alles blande, so lautete das Credo. Unisono bliesen alle Befürworter in dieses Horn. Nach Fukushima ist das alles plötzlich nicht mehr wahr. Hat in Neckarwestheim die Erde gebebt? Ist ein Tsunami über Phillipsburg hinweg gefegt? Nö. Wer also vor den Schicksalswahlen in diversen Bundesländern die Atomenergie unterstützt hat, macht sich durch den derzeitigen Aktionismus und das Moratorium unglaubwürdig und darf sich nicht wundern, wenn wahltaktische Überlegungen unterstellt werden. An der angeblichen Sicherheit deutscher Atomanlagen hat sich definitiv nichts geändert. Trotzdem wurde dieses Moratorium, diese dreimonatige atomare Sabbatphase, ausgerufen. Da soll nun alles ohne Vorbehalte auf den Prüfstand und alle Anlagen einem Stresstest unterzogen werden. (*Gnihihihihi*)

Warum ich lache, fragen Sie? Naja, es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die Merkelwelle erst mit der Atomlobby kuschelt (und die Vermutung nährt, „kuscheln“ hätte was mit „kuschen“ zu tun), um sie dann bei nächster Gelegenheit fallen zu lassen wie eine heiße Kartoffel. Klar ist die Braut jetzt sauer. Schließlich drohen immense Verluste, wenn Meiler einfach abgestellt werden. RWE will sogar gegen die Abschaltung von Biblis klagen. So sehr ich die Abschaltung, die im Übrigen noch nicht mal reibungslos über die Bühne ging, auch begrüße:  So macht man sich keine Freunde im Big Business. (Ich muss das ja auch nicht, aber die da in Berlin waren immer erpicht darauf.)

Auf diese Freunde aber hätte man gleich verzichten sollen, nicht erst nach Fukushima. Irgendjemand von dieser in der Autolyse befindlichen Partei namens FDP gab als Grund für den Gesinnungswandel an, vorher schlecht beraten worden zu sein. Häme als Begleitung ist die einzig treffende Reaktion darauf. Schlecht beraten — wo zum Henker haben die Klappskallies eigentlich die letzten Jahre verbracht? Auf dem Asteroiden hinten rechts hinterm Merkur?

Ach, einer tanzte bei der neo-grünen Fraktion aus Union und Liberalen schließlich doch noch aus der Reihe: Thomas Bareiß, CDU. Und so ungerne ich das zugebe: Er hatte Recht mit dem, was er sagte. Und — wahrlich eine Kunst! — auch wieder überhaupt nicht. „Sicherheit“ sei eine „objektive Kategorie“, die Tragödie in Japan habe das und die AKW in Deutschland nicht verändert. So weit, so richtig — so falsch. Denn die Schlussfolgerung des Mannes lautet, dass Atomkraft „ethisch vertretbar“ sei, auch nach Fukushima. Richtig muss es jedoch heißen: Schon vor Japan, schon immer war die Sicherheit eben keine, sondern eine Unsicherheit. (Die Sie meinethalben auch Restrisiko nennen können.) Diese Unsicherheitslage hat sich nach Japan nicht verändert — und AKW hätten schon seit vielen Jahren abgeschaltet gehört. Konsequenterweise (ich wiederhole mich da, ich weiß) müssten alle, die vor Japan das Atomfähnchen geschwenkt haben, es auch heute noch schwenken. Tun sie aber nicht. Und das Manöver ist so offensichtlich. Politiker schielen nämlich nur in zwei Richtungen: Zur Lobby und zu den Meinungsumfragen. Wer auch immer mehr Angst einflößt, bestimmt die Politik das Verhalten der Politiker.

Aber immerhin lassen sich nicht alle verarschen. Die Wähler sind mündiger und sensibler, als es der Kaste der Berufspolitiker (*UUUWAAAAAHHHHH*) lieb ist. Und sobald sie das merken, schwenken sie um. Es gab ja schon mal eine Zeit, in der die FDP als Wendehalspartei verschrien war. Die Ohren Genschers passten dazu. Aber zu dem konnte man insgesamt noch aufblicken, zumindest ein bisschen. Oder zu Baum. Das waren Kerle mit Arsch inner Hose. Aber die weichgespülten Lindners und Westerwelles und die Lachnummer Brüderle — ach nee, gehen Sie mir weg, echt jetzt! Das beste Zeichen, dass da etwas überhaupt nicht stimmig ist, offeriert uns Helmut Kohl, der sein „Mädchen“ öffentlich kritisiert. Ich war nie ein Birnenfreund (obschon Birnen & Speck recht schmackhaft sind), aber immerhin hat er eine Linie, so schlecht sie auch sein mag.

Damit zurück in den Mikrokosmos.

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