Widerstand? Jetzt erst recht!

Castor-alarm 2011Der Castor-Transport 2010 war voller Superlative. Der längste, die meisten Sicherheitskräfte, die beste Blockade, die meisten Demonstranten aller Zeiten. (Zur Erinnerung: hier, hier, hier oder hier, hier oder auch hier — wahlweise googlen, es gibt eine Menge Material.)

In wenigen Tagen nun kommt der nächste Schwung Atommüll ins Wendland. Wie passend, dass der Bundesumweltminister im Gespräch mit den Ressortchefs der Länder rechtzeitig eine Suche nach alternativen Standorten initiiert hat. Mit gewohnt tönenden Worten wie „ergebnisoffen“ und „ohne Tabus“. Etwas Ähnliches hatte er im Übrigen nach dem letztjährigen Transport auch versprochen. Der Widerstand hatte seine Seifenblase weitgehend ignoriert. Zu Recht: Im Oktober erklärte er, an der Erkundung Gorlebens festzuhalten. Es wird weiter gebaut — damit sich zu den etwa 1,5 Milliarden Euro, die bereits in den letzten 35 Jahren verbaut worden sind, noch weitere als Argument pro Gorleben hinzugesellen werden. Es ist eine Sache, was man medien- und öffentlichkeitswirksam erklärt, eine andere jedoch, was wirklich in den Hirnwindungen herumgeistert. Und dann war da ja noch die Sache mit dem Ausstieg, die ein munteres Bäumchen-wechsel-dich an den Tag legte.

Obschon der rot-grüne Ausstieg aus der Atomkraft kein richtig gelungener und handfester war, so war er immerhin ein Anfang. Ein Konsens, mühsam errungen. Mehr schlecht als recht, aber besser als das Festhalten an der Atomenergie zuvor. Dann kam der Ausstieg aus dem Ausstieg unter Schwarz-Gelb. Angeblich als Brückentechnologie, die aber den Energieversorgern grandiose Gewinne versprach. Nach Fukushima schließlich, im Angesicht der Stimmung im Land und vor dem Hintergrund der Landtagswahlen, hatte Frau Merkel (ihres Zeichens übrigens ehemalige Bundesumweltministerin und Physikerin) den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg verkündet. Echte Einsicht oder Angst vor Machtverlust? Das bleibt ungewiss.

Fakt ist: Atompolitik unterliegt in diesem Land nicht zwangsläufig der Vernunft. Wissenschaftlich untermauerte Kriterien können in die Überlegungen einbezogen werden, müssen es aber nicht. Die Sachlage kann sich jederzeit und unvermittelt ändern. Wir wurden schon so oft übergangen, hintergangen, angegangen. Ich jedenfalls traue in diesem Punkt keinem Politiker mehr über den Weg. Zu viel Gerede, zu wenig konkrete Maßnahmen. Deshalb: Einen wirklichen Reset kann es nur geben, wenn in Gorleben kein Geld mehr investiert wird. Statt dessen wird wieder erkundet. — allen begründeten Zweifeln zum Trotz.

Das bedeutet: Wir wähnen uns nicht in Sicherheit! Die Wurst ist noch lange nicht gegessen. Ergo gibt es wieder einen heißen Herbst im Wendland. Energischer Widerstand. So lassen wir das nicht durchgehen. Und was bedeutet das für Sie? Kommen Sie vorbei, zeigen Sie Gesicht. Denn die Geschichte der Atompolitik ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Eine, bei der die Bürger regelmäßig belogen und übergangen wurden.

Ach, eines noch: Bedenken Sie bitte, wer die wirklichen Gegner sind. Ein kleiner Tipp: Die Polizei ist es nicht. Die ist nur die andere Seite der Medaille.

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