Landpomeranzen und die liebe Müh‘ mit dem Elf-Freunde-Ding

Wissen Sie, eigentlich habe ich ja ein Blog, das sich fast ausschließlich mit dem FC Sankt Pauli beschäftigt. Und als Hansestädter, den es ins wendländische Gemüse gezogen hat, wird diese eine Liebe, der FCSP, niemals weichen. Aber zuletzt ist mir einfach das Schreiben vergangen. Aus Gründen, zeitlichen wie persönlichen, aber zuvorderst emotionalen.

Ich wollte nicht darüber reden, obschon es Bedarf gegeben hätte. Ich will nicht undankbar sein, die Erstligasaison hatte schon was, die Hinrunde war klasse, auch wenn leichtfertig wichtige Punkte verschenkt worden sind. Der Derbysieg gegen die Raute … aber lassen wir das. Tatsächlich knirscht da Einiges im sankt paulianischen Gebälk, und zwar mächtig! Diese Hingabe, die Leidenschaft, die uns in der Hinrunde und der Aufstiegssaison noch auszeichnete, die auch von außen anerkennend gewürdigt wurde, blitzte zuletzt nur noch ansatzweise auf — wenn überhaupt. Ich hatte mir ganz old-school-like handschriftliche Notizen gemacht, was alles so in der Endabrechnung stehen sollte. Stani und Truller, Asa, Last-Minute-Gegentore, die Siege zu verhindern wussten, Bierbecher-Weitwürfe, Bring Back Sankt Pauli, die Versehrtenmisere — und dann kam dieses letzte Heimspiel gegen die Bayern.

Neidlos anerkennend, dass der Verein aus der bajuwarischen Landeshauptstadt den Sieg (und den dritten Platz und damit die CL-Teilnahme) verdient hat, ebenso würdigend, was der FCB damals, in finanzschwächsten Zeiten, für unseren FCSP getan hat, war das 1:8-Debakel ein tiefer Blick in einen Abgrund. Darüber können imposante Verletztenlisten und ein Abgang der Trainer-Urgesteine nicht hinwegtäuschen, geschweige denn dafür als Ausrede herhalten.

Ich habe fertig. Was erlauben … Sankt Pauli? Stani geht, zudem ist er nicht Trapatoni, auch wenn er vom Naturell her nicht unähnlich ist. Er enthielt sich weise einer Kritik, zu offensichtlich war der desolate Gesamteindruck des vermeintlichen Teams. Ich habe meinen Zettel vernichtet und verweise auf Jekylla, die meines Erachtens ohnehin einer der wachsten Geister ist, die ich kenne. Und sie spricht mir aus der Seele: http://santapauli.wordpress.com/2011/05/09/18-ist-das-neue-1elf-fc-sankt-pauli-vs-bayern-munchen/

In diesem Sinne…

[EDIT] Bei KleinerTod kann man wie immer sehr detailliert nachlesen, was sich rund ums Spiel abgespielt hat — garniert mit Momentaufnahmen und zahlreichen Links. Ein Must-Read! http://kleinertod.wordpress.com/2011/05/09/die-18-zum-abschied-stani-truller-tranen-zum-bayern-spiel-beim-fcsp/

[EDIT 2] Bevor irgendwelche Zweifel aufkommen: Die Liebe zum Verein stirbt nicht! Landpomeranzen und St. Pauli gehören zusammen wie Agrarwirtschaft und Gülle — man braucht es, auch wenn’s einem manchmal stinkt.

Advertisements

WTF! Sprechen Sie mich NICHT auf gestern an.

Es ist nur ein Spiel, sagt so mancher. Natürlich ist es ein Spiel, nur würde ich das „nur“ streichen. Im Zusammenhang mit dem FC Sankt Pauli gibt es kein „nur“. Dieses Wort hat seine Existenzberechtigung verwirkt.

Ich frug mich vor dem Schreiben dieses Posts, ob man das darf im Angesicht all der Schrecklichkeiten um uns herum. Ob es nicht angebrachter sei, sich dieses Gefühls einfach zu erwehren, es herunterzuschlucken und den Blick auf die wesentlichen Dinge zu richten. Mitnichten! Ich ändere nicht den Lauf der Welt, wenn ich es nicht schreibe.

Andererseits: Will ich überhaupt etwas dazu sagen? Sollte ich es nicht lieber mit Jekylla halten? Ich könnte mir natürlich ihr Schild ausleihen. Doch, ich denke, dass ich das mal mache, schließlich sagt ein Bild mehr als 1.000 Worte.

"Ich auch nicht."

Alles andere wäre meiner guten Kinderstube unwürdig. Ich werde hier also nicht „What the fuck!?“ oder „Scheißendrecksmistkackensaukram“ schreiben. Nicht hier. Die Landpomeranzen haben gelernt, sich zu benehmen, und werden auch im wendländischen Gemüse nicht verrohen.