Sotschi! — Gesundheit!

Die XXII. olympischen Winterspiele sind fast vorbei. Schicke neue Körperertüchtigungsanlagen in subtropischer Schwarzmeerlage sowie im kaukasischen Krasnaya Polyana. Was bleibt hängen?

Dass der lupenreine Demokrat Wladimir Wladimirowitsch Putin es nicht unterlassen kann, Pussy Riot für ihr fröhliches Punk-Ständchen vor der Presse herumzuschubsen und mit Peitsche bearbeiten zu lassen. Und dass er sich auch sonst eher ungerne Kritik vor die Nase halten lässt.
Dass die schwachsinnigen homophoben Gesetze der Russen schwachsinnig und homophob sind und bleiben. Und dass etliche Arbeiter bislang keinen Lohn bekommen haben und wohl auch nicht mehr bekommen werden, was aber kaum jemanden mehr zu interessieren scheint.
Dass Winterspiele in der Region eher suboptimal und ohne österreichische Salzkunstgriffe kaum durchführbar sind.
Dass nicht alles, was auf Kufen einen Eiskanal hinunterprescht und aus Deutschland kommt, dieses auch zwangsläufig mit Erfolg tut. Vor allem dann nicht, wenn es sich um Bobs handelt.
Dass ich zwar versehentlich Curling etwas länger ansehen musste und nun tatsächlich den Sinn und die Regeln verstanden habe, das Steingeschubse jedoch dadurch auch nicht attraktiver oder aufregender wird.
Dass der Vorname vom Neureuther Felix zwar „vom Glück begünstigt“, „glücklich“, „erfolgreich“, oder „der Glückliche“ bedeutet, ihm das aber auch kein glückliches, erfolgreiches Ende beschert hat. Ach, und dass man die Größe haben sollte, sich bei einer Leitplanke zu entschuldigen, wenn man sie mitnimmt.
Dass die Seele des russischen Bären in eine tiefe Identitätskrise rutscht, wenn für die Sbornaja, die Eishockey-Volkshelden, schon im Viertelfinale gegen die Finnen das Aus kommt. Und dass kanadisches Eishockey immer wieder ein Genuss ist.
Dass Bodo Müller mit seinen 36 Jahren noch immer für eine Medaille im alpinen Skilauf gut ist.
Dass Lindsey Vonn irgendwie gefehlt hat und Maria Höfl-Riesch irgendwie gar nicht so schlecht war und ich sie gerne zu einem Rücktritt vom Rücktritt überreden würde.
Dass Vanessa-Mae auch ohne Geige beim Riesenslalom eine Menge Spaß hatte, obgleich sie Letzte geworden ist. (Das nenne ich Spochtsgeist.)
Dass Slopestyle, Halfpipe und Snowboard-Parallel-Slalom extrem unterhaltsam sind und hoffentlich olympisch bleiben.
Dass 19 mal deutsches Edelmetall zwar an der Zielvorgabe vorbei, aber nicht der Weltuntergang ist. Und dass Blech-Olympiasieger ja auch was ist, wenn man es richtig betrachtet.
Und schließlich: Dass der ohnehin zweifelhafte Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln zu üblen Verstimmungen mit dem Rest der Welt führen kann und der Aufdruck „Kann Spuren von Dymetylpentylamin* enthalten“ zukünftig auf entsprechenden Etiketten dringend erforderlich ist.

(* Wahlweise oder ergänzend: Methylhexanamin, was letztlich die selbe Substanz ist.)

Com calma!

Balkon und Fenster in Portugal

Nicht mehr brandneu, aber wunderschön.

Nun war’s in diesem Jahr wahrlich sehr ruhig hier bei den plötzlichen Landpomeranzen. Fast so, als sei nichts geschehen im Landpomeranzenleben. Oder zumindest nichts, was berichtenswert gewesen wäre.

Mitnichten!

Aber die Welt muss auch nicht immer alles wissen. Nur so viel: Die Dozenten-Geschäfte laufen blendend, der ältere Lendenspross wechselt aufs Gymnasium und für den verblichenen Erpel ist nicht nur ein neuer Laufenterich, sondern gleich noch Verstärkung in Form einer Cajuga-Ente angelandet. Ach, und eine Goldfischherde tummelt sich jetzt auch seit einiger Zeit im wendländischen Gemüse.

Sonst noch? Die Olympischen Spiele sind vorüber — leider konnte ich Synchronschwimmen nicht in dem Maße verfolgen, wie ich es ohnehin nicht gewollt hätte. Die Bundesliga geht in die 50. Saison — ein Grund, es richtig krachen zu lassen mit einem Glas mundgeklöppelten Holundersaft, welches mir nach dem 0:2 des FC St. Pauli in Cottbus jedoch auf halbem Wege zwischen Mund und Magen im krampfartig verengten Oesophagus (des Schluckdarms, auch Speiseröhre genannt) hängen blieb. Und der Euro taumelt noch immer besinnungslos durch die fiskale Gemengelage, im Südosten deutlicher als im Südwesten.

Aber: Com calma! Hakuna matata! Mission: Entschleunigung. Wir brauchten mal eine Pause vom Landpomeranzen-Dasein, aktivierten die Nachbarn zwecks Tier- und Tomatenbetreuung (♥) und machten uns auf in den äußersten Südwesten Europas. Der 20 Jahre alte Opel gab dem Unterfangen den abenteuerlichen Anstrich, die Benzinpreise uns den Rest. Aber es war wundervoll in Portugal. Einfach bezaubernd! Jeden der rund 2.500 Kilometer wert. Weiterlesen