Hoch- oder Dochnochhöher-Wasser? Ein Landkreis wartet auf die Elbflut

Eines ist sicher: Sie kommt, die Elbflut. Kein Zweifel. Nur mit den Prognosen ist das so eine Sache. Mal soll das Hochwasser die bisherigen „Jahrhundertfluten“ toppen, dann wieder doch nicht, laut neuesten Vorhersagen doch wieder. Scheint ein bisschen wie Kaffeesatzlesen zu sein.

Zettelmeyer-Radlader vom THW holt Sandnachschub für Sandsack-Verladestation in Gusborn

Zettelmeyer-Radlader vom THW holt Sandnachschub für Sandsack-Verladestation in Gusborn

Seit Dienstag am späten Abend gibt es hier im Landkreis Lüchow-Dannenberg den Katastrophenfall. Einige unken, der Landrat Jürgen Schulz hätte zu früh nach der Kavallerie gerufen, aber hätte er das nicht gemacht, hätten die Vorbereitungen auf die Wassermassen der Elbe nicht so koordiniert und in relativer Ruhe und Besonnenheit getroffen werden können. So wuselten zuletzt 3.900 Hilfskräfte von THW, Feuer- und Bundeswehr in der Region herum. Dazu hunderte Zivilisten, und auch wir Landpomeranzen befüllten Sandsäcke im Akkord.

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Irgendwie un-Ent-lich traurig

Momentan hat uns das Leben voll im Griff. So sehr, dass das „Projekt 365: A German Word“ und die virtuelle Blogwelt derzeit brach liegen. Ständig ist irgendwas. Irgendwo. Irgendwie. Sei’s drum. Das echte Leben hat Vorrang.

Heute jedoch ist etwas Tragisches passiert, das den normalen Lauf der Dinge für einen Moment aus den Fugen bringt. Der Laufenten-Erpel ist tot.

Aber lassen Sie mich etwas ausholen. Auf dem Lande hat man Haustiere der etwas anderen Art. (Obschon wir in Hamburg auch Enten auf dem Balkon hatten.) Wir sind umgeben von Laufenten und chinesischen Zwergwachteln. Dazu Kanarienvögel und Katzen.

Die große Krise unter den Kanarien in Form der akuten eitrigen nekrotisierenden Hepatitis im Oktober ist vorüber, und wir hatten gehofft, dass damit erst einmal ein bisschen Ruhe einkehrt. Heute nun das Hunde-Enten-Drama. Irgendwie sind die Gasthunde der Nachbarn, immerhin Berner Sennenhunde und zum ersten Mal dort, über den Zaun gekommen und haben die Laufenten gejagt. Hätte die Landpomeranzin nicht zufällig frei gehabt, wäre die ganze Geschichte vermutlich nicht ans Licht gekommen — und der Erpel, der kurz zuvor noch fröhlich vor sich hin quakend Futter und Salat zu sich genommen hatte, wäre einfach nur irgendwann tot in einer Ecke des Gartens gefunden worden.

So aber alarmierte ein panisches Quieken die Frau des Hauses, die noch die Hunde durch den Garten rasen sah, bevor sie die völlig verängstigten Wasservögel entdeckte, die sich hinter einem Holzhäuschen verschanzt hatten. Dem Erpel ging es da schon augenscheinlich schlecht, das Herz raste, und er war extrem dyspnoeisch. Davon erholte er sich nicht mehr. Trotz intensiver Bemühungen konnte er den Kopf nicht mehr halten, und mit sichtlich eingeschränkter Atmung starb er. Es war wohl zu viel für sein Herz.

Pathos und Kitsch sind meine Sache nicht. Aber ich werde ihn sehr vermissen, diesen wundervollen Vogel, der bei uns vom Küken zum stolzen Erpel mit wunderschön gebogener Schwanzfeder gereift ist. Er hörte aufs Wort, kam kuscheln und fraß aus der Hand. Wir sind un-ent-lich traurig.

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NACAB, but…

Nun sindse drin, die Castoren. Aber sie hatten es wahrlich schwer in diesem Jahr! Fürwahr! Unter uns: Wenn sich die politisch Verantwortlichen nicht gemüßigt fühlen, den Transport abzubrechen oder gar nicht erst starten zu lassen, dann kommt er immer an im Zwischenlager. Der Widerstand dagegen jedoch war auch bei der 11. Auflage in diesem Jahr deutlich und der Transport mit 126 Stunden der längste in der Geschichte.

Es gibt immer Kräfte, die die Proteste rund um den Castor-Transport missbrauchen und für ihre ganz speziellen Zwecke nutzen. Für die ACAB im Vordergrund steht. Von denen sich jene, denen es um die Sache geht, distanzieren. Denn längst nicht All Cops Are Bastards. But some are.

Einige der Vorwürfe können Sie hier oder hier nachlesen. An und für sich schon ungeheuerlich genug. In einem Rechtsstaat gelten auch für Personen, die in Gewahrsam genommen wurden, die Grundrechte. Aber im Rahmen der Castor-Transporte haben Grundrechte weitgehend ausgedient. Was sich aber gestern abend auf dem letzten Teilstück der Strecke abspielte, war schier ungeheuerlich. Augenzeugen und Netzressourcen berichteten unisono von  Weiterlesen

Castor — bald auf der Straße

castorstreckenNordstrecke oder Südstrecke? Angekündigt haben sie unter Vorbehalt, sie wollten ab in den Süden. Unser Haus steht direkt an der Nordstrecke. Bis kurz vor 12 war es absolut ruhig. Dann, ganz plötzlich, zogen sie auf, besetzten jede Einfahrt. Die Bundesstraße ist dicht, der elfte (und letzte) Castor verladen. Da an der Südstrecke mehr Camps liegen, wird es wohl der Norden machen. Reine Intuition. Auf jeden Fall geht es bald los. So will es die Gerüchteküche über den Funk. Die Straßen sind gesperrt. Und werden andernorts frei gemacht. Es ist angerichtet.

Anbei ein paar Impressionen von vor der Hütte.

Castor-Nordstrecke, Seybruch, Wendland

Castor-Nordstrecke, Seybruch, Wendland

Castor-Nordstrecke, Seybruch, Wendland

Castor-Nordstrecke, Seybruch, Wendland

Gefahrenabwehr? Sperrgebiet? Aushebelung der Grundrechte?

Die Castoren haben inzwischen den Verladebahnhof erreicht, der etwa 1.000 Meter Luftlinie von hier entfernt ist. Noch rollt der Verkehr, aber es gilt die Allgemeinverfügung, welche die Grundrechte der Versammlungsfreiheit massiv einschränkt. Das gilt für einen Korridor von 50 Metern beidseits der möglichen Routen sowie einen Radius von 500 Metern um das Zwischenlager in Gorleben.

Die Polizei vor Ort muss die Sicherheit des Transportes gewährleisten und darf im Rahmen der Gefahrenabwehr auch ohne richterlichen Beschluss bestimmte Maßnahmen ergreifen. Dabei liegt es im Ermessen der jeweiligen Beamten, was eine Gefahr darstellt.

Lassen wir mal dahingestellt, dass internationale Verträge zur Rücknahme der atomaren Hinterlassenschaften verpflichten. Rechtlich mag das einwandfrei sein. Das Land Niedersachsen hat dabei…

[…] die erforderlichen Maßnahmen durch die zuständigen Behörden zu ergreifen,
damit es nicht zu unrechtmäßigen Eingriffen in bestehende Rechtspositionen kommt.

[Quelle: Allgemeinverfügung]

Will sagen: Der Transport muss durchgedrückt werden. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Gegen jedwede Bedenken. Mit jedem Transport werden Tatsachen geschaffen. Mitbestimmungsrechte und demokratische Grundsätze werden ausgehebelt. Seit 35 Jahren Weiterlesen

Ist schon so eine Sache mit den unberechenbaren Wetterphänomenen im Wendland

Gleisblockade Hitzacker, 27.11.2011Es stürmt im Wendland. Herbststurm am 1. Advent. Holla die Waldfee! Da hilft noch nicht mal 3-Wetter-Taft.

Die Wetterphänomene sind wahrlich unberechenbar im wilden Ostzipfel Niedersachsens. Da muss man schon sehr aufpassen. Betonpyramiden wehen auf die Gleise, auch Landmaschinen und Sandhaufen verwehen ad hoc.

Den heutigen Tag haben wir in Sichtweite der Blockade in Hitzacker verbracht, im Radio auf NDR Info als Hitzfeld bezeichnet. (Vielleicht macht der Reporter sonst eher in Sportreportagen…) Ungemütlich war’s, nass und kalt. Triefnass mussten wir gegen Abend wegen unserer Kinder den Rückzug antreten. Immer mal wieder trabten die Sicherheitskräfte an — nur um dann wieder abzutraben. Die auf die Gleise gewehte Betonpyramide, an der sich vier Menschen der Bäuerlichen Notgemeinschaft festgekettet haben, scheint es wirklich in sich zu haben. Komplizierte Mechanismen machen den Polizeitechnikern das Leben schwer. Offenbar zu schwer, so will es die Gerüchteküche wissen.

Sicherheitskräfte in Hab-Acht-Stellung, Gleisblockade Hitzacker, 27.11.2011Schon jetzt ist dieser Transport der längste in der Geschichte, und der Zug mit den Castoren scheint sich auf eine nächtliche Rast in NATO-Draht einzurichten. Und die Betonpyramide ist beileibe nicht das letzte Hindernis auf dem Weg in die Wellblechhütte nach Gorleben.

Weitere Verzögerungen sind nicht ausgeschlossen, sogar eher wahrscheinlich. Bleiben Sie auf dem Laufenden beim Castorticker.

Politisch motivierte Arithmetik oder: Wer kann da eigentlich nicht zählen?

Konfliktmanagement der Polizei, Großkundgebung Dannenberg, 26.11.2011. (Manipuliert mit http://pixlr.com/o-matic/, Effect: Melissa, Overlay: Center, Border:Dirt)In der Atompolitik ist vieles politisch motiviert. Ich korrigiere: Eigentlich alles. Statistiken sind manipulierbar, an den Zahlenerhebungen ganzer Doktorarbeiten wird so lange geschraubt, bis sie dem Verfasser in den Kram passen. Man könnte es Extrapolation nennen. Oder Rundung. Aber auch bewusste Täuschung. Politisch motivierte Arithmetik eben.

Die Großkundgebung der Castor-Gegnerschaft in Dannenberg am heutigen Nachmittag hatte deutlich mehr Zulauf, als es selbst die Veranstalter im Vorfeld zu hoffen gewagt hätten. Es war voll auf dem Acker, aus allen Himmelsrichtungen strömten Menschen herbei. Vor den Toren der Stadt standen etliche Busse, die Camps in der Region sind voll, und alle waren gekommen, um Zeichen zu setzen gegen die Lagerung von hochradioaktivem Atommüll in Gorleben. Gegen die Atompolitik. Gegen die Lügen, die Berlin verzapft. (Wussten Sie beispielsweise, dass im Bundeshaushalt 73 Millionen Euro für die weitere „Erkundung“ des Salzstockes in Gorleben vorgesehen sind, aber nur 3 Millionen für die Suche von Alternativplätzen? Also jene Standorte, die Norbert R., Bundesumweltminister, ergebnisoffen und ohne Tabus auf der großen, weißen bundesrepublikanischen Landkarte als möglicherweise geeignetere  Endlagerstätten ausfindig machen möchte, wie er kürzlich vollmundig und redegewandt verkündete., während er in Gorleben weiter fleißig Tatsachen und Argumente für ein dortiges Endlager schafft.)

Die Organisatoren der Veranstaltung heute möchten natürlich Erfolge verbuchen und sprechen von mindestens 23.000 Menschen. Die Polizei kommt auf 8.000.
Die Wahrheit Weiterlesen

Verhältnismäßig? Eher mäßig, die Verhältnisse!

SchlussendlichDie Polizei wollte konsequent, aber verhältnismäßig vorgehen, um den Castoren einen Weg in die Wellblechhütte im wendländischen Gemüse zu ebnen, die auf den Namen Zwischenlager hört. So zumindest war die Ankündigung. In Metzingen, dem widerStands-Nest an der idyllischen B216, hat es heute abend nach der Kundgebung schon mal einen Vorgeschmack vom Verständnis der Verhältnismäßigkeit gegeben. Unisono berichten der Castor-Ticker, verschiedene Medien und Augenzeugen von einem Wasserwerfer-Einsatz, offenbar mit lustigen Ingredienzen versetzt. Während der Castor noch über 700 Kilometer entfernt in Rémilly im französischen Lothringen steht und der Dinge harrt, die da irgendwann kommen werden, wird hier vor Ort schon mal aufgezeigt, wie sich die Polizeiführung die neue Verhältnismäßigkeit vorstellt. Klarheit schaffen scheint die Devise zu sein. Die Deeskalation liegt derweil vermutlich geknebelt und gefesselt im Kofferraum. Oder macht Ferien auf Saltrokan.

Schon heute früh in einem Interview auf NDR Info ließ sich ein Polizeiführer dem Sinn nach vernehmen, dass alles unter Wahrung der Rechtsstaatlichkeit und der Angemessenheit der Mittel ablaufen wird. Zugleich aber gab er bekannt, dass Blockaden rigoros aufgelöst werden. Weiterlesen

Nu geit dat wedder los

Wenn Ihr unser Leben nicht achtet, achten wir Eure Gesetze nicht -- Atomtransporte stoppen -- wir stellen uns quer!In den letzten Tagen rücken die Teilnehmer der Leistungsschau der Polizei mit Macht ins Wendland ein. Kolonnen schieben sich an unserer Haustür vorbei. Die Absperrungen stehen bereit, Helikopter schweben in Zeitlupe und fast zum Greifen nahe über unser Gehöft hinweg. Die Infopunkte des Widerstandes stehen, ab morgen sind diverse Protestaktionen geplant.

Es ist also angerichtet. Einen Überblick über aktuellen Ereignisse gibt es (wie üblich) beim Bündnis gegen den Castor. Um es an dieser Stelle nochmals ganz klar zu sagen: Kommen Sie zahlreich ins Wendland. Oder beteiligen Sie sich an den Blockaden im Süden der Republik. Die Ankündigung des Bundesumweltministers, ergebnisoffen nach Alternativstandorten suchen zu wollen, ist letztlich Augenwischerei. Jahrelang wurden wir (Sie entschuldigen bitte den Ausdruck!) verarscht, hingehalten und unserer Rechte beraubt. Jahrelang wurde manipuliert und Eignungskriterien verwässert. Hier glaubt niemand mehr an irgendeine Ankündigung. Also, lassen Sie sich kein X für ein U vormachen — seien Sie also auf der Hxt!

SEK beim Castor-Transport 2010 im WendlandInzwischen ist auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) der Meinung, dass in der unklaren Gemengelage der Strahlenmesswerte mit der Gesundheit der eingesetzten Beamten gespielt wird, und forderte entsprechend eine Absage des Transportes. Hat zwar nichts genutzt, aber es zeigt, dass sich die Zweifel mehren. Ein Übriges tut die Saukälte, die sich breit gemacht hat. Ich möchte mir auch keinen Polizistenhintern im Walde abfrieren müssen. Bleibt zu hoffen, dass lange Dienstzeiten, unmenschliche Arbeitsbedingungen und die Angst vor gelungenen Blockaden nicht zu Überreaktionen führen. Der Widerstand und die Sicherheitskräfte sind nur zwei Seiten einer Medaille — und weder die eine noch die andere Seite haben diese Medaille zu verantworten. Bedenken Sie das bitte, wenn Sie mit dem Ziel ins Wendland reisen, den Feind aufzumischen. Vor Ort treffen Sie nämlich nur Menschen, die den Kopf für eine ignorante, fehlgeleitete Politik hinhalten müssen. Die Verantwortlichen sitzen anderswo. (Und lassen sich in der Regel auch nicht blicken, sondern hocken feige in ihren Kämmerlein.)

Das aber sollte Sie nicht davon abhalten, mit Vehemenz und Nachdruck gegen die Castoren aufzubegehren. Mitnichten, im Gegenteil! Beschäftigen Sie die Polizei, fördern Sie deren Kreativität, indem Sie sie von der Benutzung allzu bekannter Nachschubwege abhalten. Spielen Sie Verstecken. Widersetzen Sie sich! Aber: Bleiben Sie fair. (Ziviler Ungehorsam muss übrigens nicht unfair sein!) Gehen Sie eher davon aus, dass die Damen und Herren hier nur ihren Job machen und tief in sich womöglich eine ähnliche Abscheu gegen die Atomenergie hegen wie Sie selbst!

Weitere gute Informationen erhalten Sie vor Ort an den Infopunkten, bei der BI Lüchow-Dannenberg, bei der Bäuerlichen Notgemeinschaft, bei ausgestrahlt sowie im Castor-Ticker, dem Sie auch auf Twitter folgen können. Auch Wendland-net hat gute Castor-Berichterstattungen parat.

Noch ist der Zug in Valognes nicht losgefahren, Gerüchte berichten, es könne am Mittwoch um 14.36 Uhr dazu kommen, andere Quellen sagen, es bliebe bei Donnerstag. Am Besten wäre, dass Sie bereits Donnerstag kommen und bis mindestens Montag einschließlich planen. Die im Landkreis Lüchow-Dannenberg ausgesprochene Allgemeinverfügung erlaubt angemeldete Demos bis Samstag und tritt erst am Sonntag um 0 Uhr in Kraft.

Wie dem auch sei: Wir lassen auch in diesem Jahr nicht gottergeben und fähnchenschwenkend das Schicksal über uns ergehen. Und Sie, sie sollten das auch nicht tun.

In diesem Sinne… Vielleicht liest man sich auf Twitter — ich berichte, bis man uns nicht mehr vom Hof lässt. (Das Landpomeranzen-Grundstück grenzt unmittelbar und direkt an die Nordroute.)

Nachtrag: Möglicherweise möchten Sie auch bei Hart Backbord (dem Blog des Lüneburger Aktionsbündnisses Castor-Widerstand) mal reinsurfen.