Weltmeister! Juut juut, aber…

Irgendwie motiviert mich immer der Sport zum Schreiben. Ist schon seltsam, ja, fast bedenklich gar. Als würde mein Leben nur aus Sport bestehen. Dabei wollte ich ja eher andere Dinge thematisieren hier. Aber gut, ich mag Sport irgendwie gern, ganz besonders den Fußball.
Fußball, Sie wissen schon, dieses Spiel, bei dem es um „das Erzielen eines Punktes durch eine Mannschaft, indem der Ball zwischen den Torpfosten und unterhalb der Querlatte vollständig über die Torlinie gespielt wird“, geht. [Quelle: Wiki.] Was sich ja dank der Torlinientechnik der individuellen Sicht und Interpretation des Unparteiischen weitgehend entzieht. Wobei so ein Ball ja durchaus in vollem Umfang über die Linie gehen kann, der Treffer aber nicht zählen dürfte, weil zuvor Abseits oder eine Regelübertretung da waren, was dann jedoch nur der Schiedsrichter und nicht die Torlinientechnik entscheiden kann, weil die eben nur den Übertritt des Balles über die Linie … knickknack, Sie wissen schon.

Nun sind wir Weltmeister! Ja, auch Sie, obwohl Sie bestimmt auch nicht mitgespielt haben. Oder als Ergänzungsspieler auf der Bank für Teamgeist gesorgt haben. Oder immerhin Physiotherapeut des DFB sind oder Teammanager. Zuweilen hatte ich meine Zweifel, ob die Leistungen ausreichend sind für den Weltmeistertitel. Der Herr Mertesacker jedoch konnte mich beruhigen, weil seiner Aussage nach unter den letzten 16 keine Karnevalstruppen sind und schön spielen und ausscheiden auch keine Lösung. Womit er ja durchaus recht hat, der Herr Mertesacker. Und die zähe Nummer gegen Algerien plausibel zu erklären wusste.

Naja, der zunächst etwas eigentümlich anmutende Plan des Herrn Löw („schschsch“) ging ja schließlich auch auf, das Kommando Spezialkräfte funktionierte gut. Das Fehlen des Herrn Reus hatte weniger schlimme Auswirkungen als befürchtet, zumal er ja irgendwie doch dabei war, der Herr Reus, zumindest in Gedanken und als Namenszug auf dem Trikot, welches der Herr Götze, dessen geniales Tor nach nicht minder genialem Zuspiel von Herrn Schürrle den Sieg im Finale und damit den Weltmeistertitel brachte, mitgebracht und hochgehalten hat. Eine nette Geste, das.

Überhaupt gab es viele nette Gesten: Auf der Bank zu sitzen ist keine Degradierung, sondern eine wichtige, den Teamgeist und den Zusammenhalt fördernde, aktive Tätigkeit. Das aus brasilianischer Sicht desaströse 1:7 wurde nicht hämisch ausgeweidet, stattdessen wurde zurückhaltend gejubelt und nach Spielende getröstet. Hach!

Dass der Herr Großkreutz zwar den Döner rausrücken sollte, aber nicht gespielt hat, finde ich persönlich sehr schade, dafür haben sich aber andere gerade im Finale selbst übertroffen (wie der Herr Boateng) oder wurden jäh getroffen (die Herren Kramer und Schweinsteiger). Dem Herrn Neuer gebührt der Titel „Welttorhüter“ und „Weltlibero“ so was von verdient, das gibt es gar nicht.

Aber der Star ist das Team. Viele gute Spielanlagen ohne Ego-Eskapaden führten letztendlich zu einem Sieg gegen ebenbürtige Argentinier. Schick, emotional auch, hart umkämpft und am Ende verdient.

Die Weltmeisterfeier heute In Berlin jedoch war ein reines Schaulaufen für die Sponsoren. Hätte man sich in dieser Form klemmen können. Stundenlange Fernsehbilder von Wurst futternden und überhaupt nicht mehr bescheiden oder respektvoll auftretenden Helden auf unsere Kosten sind nämlich nicht so mein Ding, offenbar aber jenes des DFB. „So gehen die Gauchos“ — herrje, haben die Fußballrecken niemanden, der ihnen die Grenzen des guten Geschmacks aufzeigt, bevor sie sich öffentlich zum Affen machen? Niemanden, der ihnen sagt, wie sehr sie mit solchen Nummern ihrem Image einen immensen Schaden zufügen? Offenbar nicht. Schade, das. Weil ich Fußball mag und dieser Mannschaft den Titel durchaus gegönnt habe. „So gehen die Deutschen“ — nee, komm, lass‘ mal. Echt jetzt.

Darf man Frauenfußball doof finden?

Quelle: Elbe-Jetzel-Zeitung 7.7.2011; Foto: dpa

Ein regelrechter medialer Hype ungekannten Ausmaßes schwappt da über uns hinweg. Frauen-Fußball-WM in Deutschland mit der eigenen Frauenschaft als amtierendem Weltmeister. „Die WM-Marketingmaschine rollt — Barbie, Panini und Frauen-Trikots“ titelt dann auch die rp-online. Selbst Fähnchen und Außenspiegelbezüge habe ich zuletzt vermehrt entdeckt.

Auch Frank Plasbergs „Hart aber fair“ vor zwei Tagen beschäftigte sich mit dem Thema: „Das verordnete Sommermärchen – müssen jetzt alle Frauenfußball gut finden?“. Mit den Töpperwiens, die zu den besten Fußball-Moderatoren des Landes zählen, Bärbel Wohlleben, die 1974 als erste Frau das Tor des Monats geschossen hatte, Uli „Stinkefinger“ Stein sowie einigen anderen.

Aber zurück zur Frage: Darf man Frauenfußball doof finden? Oh ja, man darf, wir leben in einem (weitgehend) freien Land. Man darf auch Männerfußball doof finden, wenn Sie mich fragen, oder gar den Sport als solchen. Weiterlesen

Landpomeranzen, die WM und die die digitale (R)Evolution

teamgeist wm-ball 2006DVB-T, das „Überall-Fernsehen“. So weit die Theorie, die graue. Da kegeln die deutschen Recken „Rule Britania! / Britannia rule the waves“ aus dem Wettbewerb, und ich wäre fast nicht dabei gewesen. Trotz DVB-T. Oder wegen.

Das Wendland soll angeblich einige Sender vorhalten, aber davon hat Siemen, die weltrühmliche Wohnstatt meiner Schwiegermutter, wohl noch nichts gehört. Mit meinem DVB-T-tauglichen Gerät im Gepäck, wollte ich angesichts der Hochwetterlage, die das Tief Heike abgelöst hatte, das Public viewing in den Garten verlegen. Der Sendersuchlauf war eher mager, es gibt nur Bildungsfernsehen in Form von arte, Phoenix und Eins extra. Allesamt nicht die Sportsender Nummer 1, wenn ich nicht irre.

Schließlich fand ich doch noch Das Erste, und so stand dem Genuss — und ein solcher war es diesmal wirklich — am Busen der Natur zwischen Schnittlauch und Petunien nichts mehr im Weg. Nur das ZDF wollte nicht auftauchen. Sei’s drum: Diese WM findet ohnehin weitgehend noch in Hamburg statt, das Wendland ist derzeit noch Gastregion.

Und während einer der unterirdischsten Kicks dieser WM, das Achtelfinale zwischen Paraguay und Japan gerade wenige Stunden vorbei ist und sich die Teams von der iberischen Halbinsel aktuell gegenüberstehen, hoffe ich für weitere Großereignisse dieser Art auf Besserung. In zwei Wochen wird es ernst. Bis dahin fliegen noch einige der vielgeschmähten Sportgeräte über südafrikanische Plätze.

Nun zurück zu meinen geliebten Portugiesen, die hoffentlich das bessere Ende für sich haben werden. Sollten die Spiele zu langatmig werden, können Sie hier Ihr Fußball-Englisch etwas auffrischen. Dann kann Sie Wayne Rooney wenigstens verbal nicht an die Wand und so, falls Sie ihn im Urlaub auf Mallorca treffen sollten. Er hat ja jetzt genug Zeit, am Strand über die Schmach gegen Deutschland nachzudenken. Möglicherweise sollte er jedoch einen Erholungsurlaub im wendländischen Gemüse in Betracht ziehen — das macht den Kopf frei, ehrlich. Middefeitz statt Ballermann. Klingt doch auch viel hübscher, nicht wahr? Und wenn dann noch DVB-T auch in Niedersachsens wildem Osten wirklich angekommen ist…

FORÇA PORTUGAL!
FORÇA PORTUGAL [Quelle]